Bei den meisten Infekten klingt das Fieber von selbst wieder ab. Gefährlich wird die Lage, wenn Warnzeichen dazukommen, zum Beispiel Verwirrtheit, Atemnot, ein auffällig schneller Puls oder ein Ausschlag, der unter Fingerdruck nicht verblasst, ein mögliches Zeichen einer Hirnhautentzündung.
Oft steckt hinter Fieber der Kampf des Körpers gegen eine Infektion wie eine Erkältung oder Grippe. Erkältungen werden laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen in der Regel durch Viren ausgelöst. Eine Erkältung klingt meist nach 1 bis 2 Wochen von selbst ab. Erwachsene erkälten sich im Durchschnitt 2- bis 4-mal pro Jahr.
Das Wichtigste in Kürze
- Fieber entsteht bei Erwachsenen ab 38 Grad Celsius im Körperinneren. Der Körper setzt damit eine Abwehrreaktion in Gang.
- Ob Fieber gefährlich wird, entscheiden die Warnzeichen und der Verlauf. Eine einzelne Temperaturzahl beantwortet diese Frage nicht.
- Eine systematische Übersichtsarbeit zu 42 Studien mit 5140 Erwachsenen fand keinen Einfluss von Fieberbehandlung auf das Risiko zu sterben.
- Zu Hause helfen Ruhe, viel Trinken und Abstand zu anderen Menschen. Kühle Wickel und Bäder holen die Temperatur nur kurzfristig herunter.
- Verwirrtheit, sehr schnelles Atmen, ein Puls über 120 pro Minute, ein niedriger Blutdruck und ein nicht verblassender Ausschlag bedeuten einen Notruf. Wählen Sie dann die 112.
Was Fieber ist und warum der Körper es macht
Fieber entsteht, wenn das Gehirn die Körpertemperatur höher als normal einstellt. Ausgelöst wird dieser Vorgang von Krankheitserregern wie Viren oder Bakterien. Ebenso wirken körpereigene Stoffe wie Prostaglandine. Sie entstehen, um die Krankheitserreger zu bekämpfen.
Die Temperatur im Körperinneren regelt ein Teil des Gehirns, der Hypothalamus. Ein gesunder Körper funktioniert optimal, wenn seine Temperatur im Inneren etwa 37° C beträgt. Allerdings hat jeder Mensch seine persönliche normale Temperatur, die etwas höher oder niedriger liegen kann. Der Körper passt sie ständig an die Umwelt an. Nachts liegt sie niedriger als am Tag, am späten Nachmittag höher als am Morgen.
Diese Steuerung hat ihren Preis. Nach einer systematischen Übersichtsarbeit zu Fieberbehandlung bei Erwachsenen kostet Fieber Energie und steigert den Sauerstoffbedarf. Zugleich setzt Fieber zelluläre und immunologische Mechanismen in Gang, die Erreger zurückdrängen.
Richtig messen: welche Zahl was bedeutet
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das die Seite gesundheitsinformation.de betreibt, nennt für Erwachsene feste Schwellen:
- Etwa 37° C im Körperinneren entspricht der normalen Temperatur eines gesunden Körpers.
- 37,5 bis 38° C bezeichnet das Institut als erhöhte Temperatur.
- Ab 38° C sprechen Erwachsene laut Institut von Fieber. Die britische Gesundheitsbehörde NHS nennt denselben Wert als Grenze für erhöhte Temperatur.
- Ab 39,5° C gilt als hohes Fieber, 41° C als sehr hohes Fieber.
Beim Messen lohnt sich Sorgfalt. Die Temperatur im Körperinneren lässt sich von außen nicht ablesen. Man misst an einer zugänglichen Stelle, und solche Messungen bleiben immer etwas ungenau. Die NHS rät zu einem digitalen Fieberthermometer. Die Spitze kommt unter die Zunge, Richtung hinterer Mund, oder in die Achselhöhle. Ein Glasthermometer kann Verletzungen verursachen. Von Infrarotthermometern rät die NHS ab, Fieberstreifen für die Stirn messen ungenau.
Der Zeitpunkt verfälscht das Ergebnis. Nachts liegt die Temperatur niedriger als am Tag, am späten Nachmittag höher als am Morgen.
Manchmal sagt das Gefühl mehr als das Display. Die NHS weist darauf hin, dass Sie eine hohe Temperatur haben können, obwohl das Thermometer unter 38 °C zeigt, wenn Sie sich heiß, kalt oder frierend fühlen.
Fieber senken oder senken lassen
Eine systematische Übersichtsarbeit verglich Fieberbehandlung mit keiner Behandlung bei Erwachsenen. Sie schloss 42 Studien mit 5140 Teilnehmenden ein.
In der Gruppe mit Fieberbehandlung starben 23,0 Prozent der Menschen, in der Gruppe ohne Behandlung 22,6 Prozent. Ein Vorteil für die Behandlung zeichnete sich nicht ab. Schwere Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen gleich häufig auf. Die Auswertung schloss außerdem aus, dass eine Fieberbehandlung das Risiko zu sterben um 22 Prozent oder mehr mindert.
Eine Studie mit 37 Teilnehmenden verglich die Lebensqualität und fand keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen. Für leichtere Erkrankungen zu Hause lassen diese Ergebnisse nur begrenzte Schlüsse zu. Die untersuchten Menschen lagen alle im Krankenhaus, die meisten waren schwer krank.
Für den Alltag heißt das: Sie entscheiden nach Ihrem Befinden. Die NHS rät, fiebersenkende Mittel einzunehmen, wenn Sie sich unwohl fühlen. Bei einer Erkältung nennt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen fiebersenkende Mittel und Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure. Zu Auswahl und Dosierung berät Sie Ihre Apotheke oder Ihre Hausärztin.
Die Übersichtsarbeit beschreibt, dass fiebersenkende Mittel den Sollwert im Gehirn senken. Damit entfällt ein Teil der Abwehrreaktion, die das Fieber ausgelöst hat.
Was Ihnen zu Hause hilft
Die NHS nennt für Erwachsene drei Punkte, die Sie selbst umsetzen können:
- Ruhen: Die NHS rät zu viel Ruhe.
- Trinken: Wasser ist am besten. Trinken Sie so viel, dass Ihr Urin hellgelb und klar bleibt. Das schützt vor Austrocknung.
- Abstand: Bleiben Sie zu Hause und meiden Sie Kontakte zu anderen Menschen, bis die erhöhte Temperatur verschwunden ist.
Kühle Wickel, ein lauwarmes Bad oder ein Eisbeutel auf der Stirn kühlen vor allem die Haut. Sie senken die Temperatur im Körperinneren nur kurz. Die Übersichtsarbeit beschreibt die Gegenreaktion des Körpers: Äußere Kühlung entzieht Wärme, ohne den Sollwert im Gehirn zu senken. Der Körper reagiert auf den Temperaturabfall mit Abwehrreaktionen wie Frieren, schnellerem Puls und verengten Blutgefäßen an den Gliedmaßen. Das kostet Energie und erzeugt Unbehagen.
Bei Vitaminpräparaten, Zink und Echinacea bleibt die Frage offen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen stellt fest, dass sich die Vor- und Nachteile dieser Mittel nicht zuverlässig beurteilen lassen, weil Studiendaten fehlen oder widersprüchliche Ergebnisse zeigen. Eine wirksame Impfung gegen Erkältungen gibt es nicht.
Warnzeichen bei Erwachsenen
Eine Blutvergiftung, medizinisch eine Sepsis, ist eine schwere Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung beschreibt sie als eine oft unterschätzte und unerkannte Gefahr. Der Körper wehrt sich gegen die Infektion und schadet dabei seinen eigenen Organen und seinem Gewebe. Die NHS ergänzt, dass das Immunsystem überreagiert und die Organe des Körpers zu schädigen beginnt.
Eine Sepsis kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. Unbehandelt kann sie in einen Kreislaufschock übergehen, an dem Menschen sterben.
Nach Angaben der NHS zählen zu den Anzeichen einer Sepsis bei Erwachsenen:
- Sie sind verwirrt oder sprechen undeutlich.
- Sie frieren unkontrolliert.
- Sie haben Muskelschmerzen.
- Sie bekommen schlecht Luft.
- Ihre Haut, Lippen oder Zunge sind blau, blass, grau oder fleckig.
- Sie haben eine hohe oder eine niedrige Temperatur. Bei älteren Menschen kommt ein hohes Fieber seltener vor.
- Sie haben den ganzen Tag nicht oder nur sehr wenig Wasser gelassen. Das betrifft die vergangenen 18 Stunden.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung nennt zusätzlich plötzliche Schläfrigkeit, Unruhe, schnellen Herzschlag, niedrigen Blutdruck, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Sie betont, dass Sie sich bei einer Sepsis extrem krank fühlen.
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hält Warnzeichen an Zahlen fest. Wenn eine Infektion schnell schlimmer wird, sprechen diese Werte für eine lebensbedrohliche Sepsis:
- Sie atmen mit mehr als 20 Atemzügen pro Minute zu schnell.
- Ihr Puls liegt über 120 pro Minute.
- Ihr oberer Blutdruckwert liegt unter 100.
- Sie zeigen eine akute Wesensveränderung, Verwirrtheit oder Benommenheit.
- Sie fühlen ein nie gekanntes Krankheitsgefühl und haben extreme Schmerzen.
- Ihre Haut ist feucht-kalt und bläulich fleckig.
Drei Punkte sind dabei wichtig. Erstens: Fieber muss nicht bei jeder Sepsis auftreten. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit nennt Fieber das häufigste Zeichen für eine Infektion und für eine Sepsis. Ein fehlendes Fieber schließt eine Sepsis also nicht aus. Zweitens: Sie brauchen nicht alle genannten Zeichen. Die NHS rät, sofort Hilfe zu holen, wenn Sie sich sehr krank fühlen und vermuten, dass etwas Ernstes vorliegt. Drittens: Die Kombination entscheidet. Eine einzelne hohe Temperatur erfüllt diese Warnzeichen nicht.
Wer ein erhöhtes Risiko trägt, sollte genauer hinsehen. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit nennt Menschen über 60 Jahre, Früh- oder Neugeborene und Kinder, Menschen mit chronischen Erkrankungen der Lunge, der Leber oder des Herzens, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Menschen ohne Milz und Menschen, denen Impfungen fehlen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung zählt ebenfalls immungeschwächte Menschen und Personen ohne Milz zur Risikogruppe. Ein höheres Risiko besteht außerdem bei einem Katheter, bei Verbrennungen, Schnittwunden und Hautinfektionen sowie bei injizierten Drogen oder starkem Alkoholkonsum.
Wann zum Arzt und wann 112
Zum Arzt gehören ein Fieber, das zu Hause nicht besser wird, und Beschwerden, die zunehmen. Die NHS rät in diesem Fall zu einem dringlichen Termin. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen empfiehlt ärztlichen Rat bei hohem Fieber, bei starken oder sich verstärkenden Beschwerden, bei Schmerzen in der Brust, bei Luftnot und bei Problemen beim Atmen. Das gilt besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege.
Eine feste Anzahl von Tagen nennen die Quellen für Erwachsene nicht. Als Orientierung dienen diese Angaben: Eine Erkältung klingt meist nach 1 bis 2 Wochen ab. Bei einer Grippe zeigt sich ein schwerer Verlauf häufig nach 3 bis 10 Tagen. Beobachten Sie den Verlauf und gehen Sie in die Praxis, sobald die Beschwerden nicht abklingen oder eines der Warnzeichen dazukommt.
Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie rund um die Uhr unter 116117. Bei den Warnzeichen aus dem vorigen Abschnitt wählen Sie die 112. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit formuliert es so: Wählen Sie die 112 oder 116117, jede Minute zählt.
Fahren Sie sich nicht selbst in die Notaufnahme. Bitten Sie jemanden, Sie zu fahren, oder rufen Sie die 112 und bitten Sie um einen Krankenwagen. Nennen Sie am Telefon die Infektion, das Fieber und Ihren Verdacht auf eine Sepsis.
Laut Aktionsbündnis Patientensicherheit geht eine Sepsis in 40 von 100 Fällen von Lunge und Atemwegen aus, in 20 von 100 Fällen von den Harnwegen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung nennt Lungenentzündungen, Harnwegsentzündungen und Entzündungen des Bauchraums. Jede Infektion im Körper kann eine Sepsis auslösen. Je früher sie entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Nach überstandener Sepsis brauchen viele Menschen Zeit. Eine Folgeerkrankung kann laut NHS sechs bis 18 Monate andauern. Sie zeigt sich als Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, depressive Stimmung oder Beschwerden mit Herz, Nieren und Lungen.
Häufig gestellte Fragen
Ab wie viel Grad muss ich Fieber senken?
Eine Temperaturgrenze für Erwachsene gibt es nicht. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen stuft ab 39,5° C hohes und ab 41° C sehr hohes Fieber ein. Die NHS nennt eine sehr hohe oder sehr niedrige Temperatur als Grund für einen Notruf, ohne eine Grenze zu beziffern. Fiebersenkende Mittel nimmt die NHS bei Unwohlsein. Für die Notfallentscheidung zählen Warnzeichen mehr als die Zahl.
Hilft ein kühles Bad, ein Eisbeutel oder ein Wadenwickel gegen Fieber?
Äußere Kühlung senkt die Temperatur im Körperinneren nur für kurze Zeit. Die Übersichtsarbeit beschreibt die Gegenreaktion: Der Körper hält den Sollwert im Gehirn hoch und wehrt sich mit Frieren, schnellerem Puls und verengten Blutgefäßen an den Gliedmaßen. Das kostet Energie und erzeugt Unbehagen. Für eine zuverlässige Temperatursenkung taugen kühle Maßnahmen nicht.
Wie lange darf Fieber anhalten, bevor ich zum Arzt gehe?
Für Erwachsene nennen die Quellen keine feste Tageszahl. Eine Erkältung klingt meist nach 1 bis 2 Wochen ab. Bei einer Grippe zeigt sich ein schwerer Verlauf häufig nach 3 bis 10 Tagen. Sie gehen in die Praxis, sobald die Beschwerden nicht abklingen, sobald sie stärker werden oder sobald ein Warnzeichen dazukommt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen empfiehlt ärztlichen Rat bei hohem Fieber und bei Luftnot.
Darf ich mit Fieber arbeiten oder Sport machen?
Die NHS rät, zu Hause zu bleiben und Kontakte zu meiden, solange eine erhöhte Temperatur besteht. Beim Grippevirus sind Sie laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ab dem Beginn der ersten Beschwerden etwa 4 bis 5 Tage ansteckend, manchmal auch länger. Ohne Beschwerden können Sie in den ersten Tagen trotzdem ansteckend sein. Wer krank ist, braucht außerdem Ruhe für sein Immunsystem.
Ist hohes Fieber für ältere Menschen gefährlicher?
Bei älteren Menschen kommt ein hohes Fieber seltener vor, sagt die NHS. Eine Sepsis kann dort ohne Fieber verlaufen. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit zählt Menschen über 60 Jahre zur Risikogruppe für eine Sepsis. Beobachten Sie ältere Angehörige deshalb auch ohne Fieber auf Atemnot, Verwirrtheit, Hautverfärbung und ausbleibendes Wasserlassen.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Wie wird die Körpertemperatur geregelt und was ist Fieber? gesundheitsinformation.de
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Erkältung. gesundheitsinformation.de
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Grippe. gesundheitsinformation.de
- NHS: High temperature (fever) in adults. nhs.uk
- NHS: Sepsis. nhs.uk
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Patienteninformation: Blutvergiftung (Sepsis) – Schnell und richtig reagieren. kbv.de
- Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V., Kampagnenbüro #DeutschlandErkenntSepsis: Infoblatt Sepsis (Prävention und Warnzeichen). deutschland-erkennt-sepsis.de
- Holgersson J, Ceric A, Sethi N, Nielsen N, Jakobsen JC: Fever therapy in febrile adults: systematic review with meta-analyses and trial sequential analyses. BMJ 2022;378:e069620. PubMed Central (PMC9274300)



