Sie kennen das Bild: die Nase läuft, der Hals kratzt, der Kopf tut weh, und im Regal stehen Dutzende Versprechungen. Der Überblick über das, was wirklich hilft, ist kürzer.
Erwachsene sind im Schnitt 2- bis 4-mal im Jahr erkältet, Kinder 6- bis 8-mal. Grund ist die Vielfalt der Viren, die eine Erkältung auslösen. Meist reichen Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und ein Schmerzmittel bei Fieber oder starken Schmerzen. Der Rest ist Geduld.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Erkältung ist eine Infektion mit sehr verschiedenen, für den Menschen harmlosen Viren. Die Beschwerden klingen meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab.
- Ein Mittel, das eine Erkältung verkürzt, gibt es nicht. Vorhandene Mittel können die Beschwerden etwas lindern.
- Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen wirken gegen Fieber und erkältungsbedingte Schmerzen. Gegen Husten und Schnupfen helfen sie nicht.
- Abschwellende Nasensprays sind für wenige Tage brauchbar. Länger angewendet können sie einen Dauerschnupfen auslösen.
- Antibiotika wirken bei einer Erkältung nicht, weil sie nur Bakterien abtöten. Etwa 1 von 10 Personen bekommt davon Nebenwirkungen.
Erkältung oder Grippe: die Unterschiede
Eine Erkältung heißt auch grippaler Infekt und hat mit der Grippe nichts zu tun. Sie wird von sehr verschiedenen Viren ausgelöst und entwickelt sich über einige Tage: verstopfte oder laufende Nase, Niesen, Husten, Halsschmerzen, manchmal leichtes Fieber, Mattigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen.
Bei einer Grippe läuft es anders. Die Beschwerden beginnen typischerweise plötzlich statt allmählich und erfassen den ganzen Körper: Fieber zwischen 38 und 40 °C oder höher, Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen, starke Abgeschlagenheit und ein trockener Husten ohne Schleim. Nur etwa ein Drittel zeigt dieses typische Bild, ein weiteres Drittel bemerkt die Infektion gar nicht, andere haben mildere Beschwerden. Bei einer Erkältung stehen Nase und Hals im Mittelpunkt, bei einer Grippe der ganze Körper.
Von den ersten Beschwerden an sind Grippekranke etwa 4 bis 5 Tage ansteckend, manchmal auch länger. Grippe, Erkältung und Covid-19 lassen sich an den Beschwerden allein nicht sicher unterscheiden. Bei Fieber und starkem Husten kann ein Abstrich in der Praxis Klarheit bringen.
Wie lange eine Erkältung dauert
Eine Erkältung fängt oft mit Kratzen im Hals an, danach läuft die Nase. Das Schlimmste ist meist nach einer Woche überstanden, und die Beschwerden klingen bei den allermeisten Menschen innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab.
Der Husten hält am längsten nach. Bei Erwachsenen dauert es im Schnitt 18 Tage, bis er vollständig ausgestanden ist. Bei Kindern kann er mitunter drei Wochen anhalten.
Fachleute teilen den Husten nach seiner Dauer ein: akut bis zu 3 Wochen, subakut bis zu 8 Wochen, chronisch ab mehr als 8 Wochen. Die häufigste Ursache für akuten Husten bei Erwachsenen ist eine Virusinfektion der Atemwege, die von allein zurückgeht. Der gereizte Atemweg braucht Zeit, sich zu beruhigen. Zwei Wochen Husten nach der Erkältung sind deshalb normal.
Keime aus Husten und Niesen überleben auf Händen und Flächen 24 Stunden. Händewaschen, Abstandhalten und Taschentücher schützen davor. Mit Erkältungsbeschwerden bleiben Sie besser nicht bei der Arbeit, damit Sie andere nicht anstecken.
Was wirklich hilft
Bislang gibt es keine Behandlung, die eine Erkältung verkürzen kann. Ein paar Mittel lindern die Beschwerden etwas.
Ruhe und Abstand
- Legen Sie sich hin und holen Sie den Schlaf nach.
- Bei hohem Fieber oder wenn Sie sich zu krank fühlen, um Ihren Alltag zu schaffen, bleiben Sie zu Hause und meiden Sie Kontakt zu anderen.
- Hören Sie auf zu rauchen. Rauchen verschlimmert die Beschwerden.
Trinken: so viel, wie Sie mögen
Der britische Gesundheitsdienst NHS rät, viel zu trinken, um Flüssigkeitsmangel zu vermeiden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schreibt auf gesundheitsinformation.de, dass der Nutzen zusätzlicher Flüssigkeit bei Erkältung nicht belegt ist. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit fand dazu keine randomisierte Studie, also keinen Test mit einer Vergleichsgruppe.
Trinken Sie genug, gerade bei Fieber, denn Fieber und schnelles Atmen entziehen dem Körper Wasser. Zwingen Sie sich zu nichts. Die S3-Leitlinie der DEGAM, der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, empfiehlt eine ausreichende Trinkmenge, besonders bei fieberhaften Infekten, und nennt zugleich keine dauerhaften Vorteile einer stark erhöhten Flüssigkeitszufuhr. Heißer Tee tut vielen gut.
Schmerzmittel gegen Fieber und Schmerzen
Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol können erkältungsbedingte Schmerzen an Hals, Kopf, Gliedern und Ohren lindern und das Fieber senken. Gegen Husten und Schnupfen wirken sie nicht.
Kombinationsmedikamente mit mehreren Wirkstoffen lindern die Beschwerden ebenfalls etwas, verursachen aber mehr Nebenwirkungen als ein einzelnes Mittel. Für Kinder sind sie nicht geeignet, weil es keine Studien zu ihrer Wirkung und Sicherheit bei Kindern gibt. Welches Mittel zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.
Abschwellendes Nasenspray, nur für kurze Zeit
Abschwellende Nasensprays und -tropfen lindern eine laufende oder verstopfte Nase und erleichtern das Atmen. Sie heißen in der Fachsprache Dekongestiva.
Abschwellende Sprays sollten Sie nicht länger als eine Woche durchgehend anwenden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beschreibt die Folge deutlich: Es kann zu einem Dauerschnupfen kommen. Wenige Stunden nach der Anwendung schwillt die Schleimhaut wieder an, umso stärker, je häufiger man das Mittel einsetzt.
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit mit 15 Studien und 1838 Teilnehmenden hat die Stärke der Wirkung untersucht. Bei mehreren Dosen zeigte sich ein kleiner Nutzen für die verstopfte Nase bei Erwachsenen, ob dieser Unterschied im Alltag spürbar ist, blieb offen. Bei Kindern fehlen Daten. Als Nebenwirkungen treten trockene Nasenschleimhaut, allergische Reaktionen und Kopfschmerzen auf.
Gegen den Husten
Der Husten ist lästig, erfüllt aber eine Aufgabe: Er transportiert Schleim und Fremdkörper aus den Atemwegen. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit zu Mitteln, die den Hustenreiz unterdrücken, kommt zu dem Ergebnis, dass diese bei akutem Husten nicht besser wirken als ein Scheinmittel. Die DEGAM-Leitlinie hält fest, dass der akute Husten auch ohne Medikamente abklingt.
Honig ist die eine Ausnahme. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit schloss sechs Studien mit 899 Kindern von 12 Monaten bis 18 Jahren ein. Honig lindert den Husten wahrscheinlich besser als ein Scheinmittel und besser als ein Medikament, das die Atemwege öffnet, und zwar für bis zu drei Tage. Gegenüber Hustenmitteln mit Dextromethorphan zeigte sich kein klarer Unterschied. Säuglinge bis 12 Monaten bekommen keinen Honig. Kinder über einem Jahr können ihn abends vor dem Schlafengehen und vor dem Zähneputzen pur oder in Wasser aufgelöst zu sich nehmen.
Bei Mitteln, die den Schleim lösen sollen, sieht die Lage ähnlich aus: Nach den Empfehlungen der DEGAM sind sie bei akutem Husten nicht zu empfehlen. Auch Kombinationspräparate kann die Leitlinie für den Husten nicht empfehlen, weil in beiden Studien vermehrt Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Schwindel auftraten. Die Kosten für Medikamente gegen einen Erkältungshusten werden meist nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Was kaum belegt ist
Für einen großen Teil des Erkältungsregals fehlen belastbare Daten. Über den Nutzen lässt sich wenig sagen.
- Vitamin C: Vitamin-C-Präparate können Erkältungen nicht vorbeugen. Wer sie regelmäßig nimmt, kann die Dauer der Beschwerden etwas verkürzen. Wer erst zu Beginn der Erkältung damit anfängt, bemerkt nichts.
- Vitamin D: Gegen Erkältungen mit akuten Atemwegsbeschwerden wirken Vitamin-D-Präparate den Studien zufolge nicht. Vorbeugen könnten sie bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel.
- Zink: Vor- und Nachteile lassen sich nicht zuverlässig beurteilen, weil die Studiendaten wenig und teils widersprüchlich sind.
- Sonnenhut (Echinacea): Die bisherigen Studien liefern keine eindeutigen Ergebnisse. Der NHS sieht wenig Belege dafür, dass Sonnenhut, Vitamin C oder Knoblauch Erkältungen verhindern oder schneller abklingen lassen.
- Pflanzliche Mittel: Verlässliche Studien zum Nutzen fehlen fast vollständig. Für den Husten werden Präparate mit Efeu, Eukalyptus, Primelwurzel, Pelargonienwurzel oder Thymian angeboten. Die DEGAM sieht für einige davon eine Datenlage, die eine Milderung nahelegt, zweifelt aber an ihrer praktischen Bedeutung.
- Inhalieren: Wasserdampf empfinden viele als angenehm, weil Wärme und Feuchtigkeit die Nasenschleimhaut kurzfristig beruhigen. Eine eindeutige Wirkung auf Erkältungsbeschwerden ließ sich nicht zeigen, und die DEGAM erwartet von Inhalationen keine dauerhaften Vorteile. Bei Kindern gilt: Lassen Sie sie nie über einer Schüssel mit heißem Wasser atmen, das ist eine Verbrennungsgefahr. Der NHS empfiehlt das Duschen mit heißem Wasser.
Eine Impfung gegen Erkältungen gibt es nicht, und aus einer überstandenen Erkältung wird man für die nächste nicht immun. Es gibt zu viele verschiedene Erreger. Abstandhalten und Hygiene schützen trotzdem gut.
Warum Antibiotika nicht helfen
Eine Erkältung wird von Viren ausgelöst. Antibiotika töten Bakterien, und gegen Viren wirken sie nicht. Sie können eine Erkältung deshalb weder lindern noch verkürzen.
Für diese Aussage gibt es eine Cochrane-Übersichtsarbeit, über die gesundheitsinformation.de berichtet: Sie fand elf Studien mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die im Übrigen gesund waren. Unabhängig davon, ob die Erkrankten Antibiotika nahmen oder nicht, hielten die Beschwerden ähnlich lange an. Bei etwa 1 von 10 Personen, die Antibiotika nahmen, traten Nebenwirkungen auf, meist Durchfall und Übelkeit, dazu Hautausschläge und bei Frauen Entzündungen im Bereich der Scheide.
Die DEGAM-Leitlinie beziffert die Größenordnung genauer: In der Auswertung einer Cochrane-Übersichtsarbeit lag der Unterschied in der Genesung bei einem halben Tag, gemessen an einer Hustendauer von acht bis zehn Tagen. Nebenwirkungen wie Erbrechen und Durchfall traten bei einem von 24 Behandelten auf. Hinzu kommt ein Grund zur Zurückhaltung: Wird ein Mittel zu oft und zu leichtfertig eingesetzt, werden die Bakterien mit der Zeit unempfindlich. Bei einer ernsthaften Infektion kann es dann wirkungslos bleiben.
Antibiotika kommen bei einer Erkältung nur infrage, wenn Bakterien nach der Infektion eine Entzündung ausgelöst haben. Anzeichen können sein: über mehrere Tage grünlich verfärbter Nasenschleim, anhaltend starke Halsschmerzen und eitrige Gaumenmandeln, hartnäckig verstopfte Nase mit starken Stirnkopfschmerzen, starke Ohrenschmerzen mit schlechtem Hören, Brustschmerzen und Probleme beim Luftholen. Vor allem mit Fieber sollten Sie das ärztlich abklären lassen. Bei leichten bakteriellen Infektionen kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ein Rezept auf Vorrat ausstellen. Sie lösen es nur ein, wenn sich die Beschwerden nach ein paar Tagen nicht bessern.
Wann Sie zum Arzt sollten
Bei vielen Erkältungen ist kein Arztbesuch nötig. Bei Warnzeichen sollten Sie in die Praxis gehen:
- Pfeifendes Einatmen: ein Zischen beim Atmen, ein Zeichen für verlegte Atemwege oder eine verschlechterte chronische Lungenerkrankung.
- Luftnot, deutlich zu schnelles Atmen oder bläuliche Lippen und Fingernägel.
- Herzrasen, Brustschmerzen, schaumiger Auswurf, eine neu aufgetretene Senkung des Sauerstoffgehalts im Blut oder Blut im Husten.
- Ein schwer geschwächtes Abwehrsystem, etwa bei einer Chemotherapie, nach einer Transplantation, bei einer unbehandelten HIV-Infektion oder bei Zuckerkrankheit mit Insulin.
- Schwäche und Gebrechlichkeit: Ein schwerer Verlauf ist dann auch ohne Fieber möglich.
Der NHS nennt für den Verlauf konkrete Marken: hohes Fieber über mehr als 3 Tage, deutlich zunehmende Beschwerden, keine Besserung nach 10 Tagen und ein Husten von mehr als 3 Wochen. Wer eine chronische Erkrankung wie Diabetes sowie eine Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankung hat oder eine Chemotherapie bekommt, sollte sich frühzeitig melden.
Ohne Warnzeichen fällt die Diagnostik kurz aus. Bei unkomplizierter Erkältung oder akuter Bronchitis sollen Erwachsene auf Blutuntersuchungen, Auswurfsuntersuchung und ein Röntgenbild der Lunge verzichten. Bei normalen Werten für Temperatur, Atemfrequenz und Herzfrequenz ist eine Lungenentzündung sehr unwahrscheinlich. Bleibt der Husten länger als 8 Wochen bestehen, sollte er abgeklärt werden.
Häufig gestellte Fragen
Bin ich erkältet oder habe ich Grippe?
Der Verlauf ist das stärkste Merkmal. Eine Erkältung schleicht sich über einige Tage ein und betrifft vor allem Nase und Hals. Eine Grippe beginnt typischerweise plötzlich mit hohem Fieber und trockenem Husten. Bei Fieber kann ein Abstrich in der Praxis Klarheit bringen.
Wie lange darf der Husten dauern, bevor ich zum Arzt gehe?
Bis zu 3 Wochen gilt bei Erwachsenen als akut, bis zu 8 Wochen als subakut. Der Husten nach einer Erkältung dauert im Schnitt 18 Tage. Nach 3 Wochen sollten Sie ärztlich vorstellig werden, nach 8 Wochen gehört der Husten abgeklärt. Bei Blut im Auswurf oder schwerem Atmen warten Sie nicht.
Hilft Honig gegen den Husten?
Bei Kindern von 12 Monaten bis 18 Jahren hat eine Cochrane-Übersichtsarbeit mit sechs Studien und 899 Kindern einen Vorteil von Honig gezeigt, und zwar für bis zu drei Tage. Bei Säuglingen bis 12 Monaten wird Honig nicht empfohlen. Die Übersichtsarbeit hat nur Kinder untersucht.
Schützt mich eine Impfung vor Erkältungen?
Nein. Gegen Erkältungsviren gibt es keine Impfung, weil sehr viele verschiedene Viren sie auslösen. Der NHS weist ausdrücklich darauf hin, dass die Grippeimpfung Erkältungen nicht verhindert. Sie schützt vor der Grippe, und die verläuft deutlich härter. Vorbeugen lässt sich mit Abstandhalten, Händewaschen und Verzicht auf Tabakrauch.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Erkältung. gesundheitsinformation.de.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Schnupfen, Husten und Halsschmerzen lindern. gesundheitsinformation.de.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Bei Erkältungen Antibiotika nehmen oder nicht? gesundheitsinformation.de.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Grippe. gesundheitsinformation.de.
- NHS. Common cold. nhs.uk.
- Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). S3-Leitlinie Akuter und chronischer Husten. AWMF-Register-Nr. 053-013, Version 3.2. register.awmf.org.
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