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Prävention

Wann Antibiotika helfen und wann sie mehr schaden

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, und jeder Einsatz hat einen Preis.

Prävention10 Min. Lesezeit

Bei Erkältung, Grippe und den meisten Husten wirken sie nicht, weil Viren die Ursache sind. Bei echten Bakterieninfektionen retten sie Leben. Wer sie zu oft einsetzt, schwächt damit ihre Wirkung für die nächste Infektion.

Viele Infektionen heilen von selbst aus, besonders die leichten. Wer ein Antibiotikum nimmt, entscheidet damit über die eigene Behandlung und über die Wirkung des Mittels bei der nächsten Infektion. Beide Entscheidungen gehören zusammen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Gegen Erkältung, Grippe und die meisten Husten helfen sie nicht.
  • Viele leichte Bakterieninfektionen heilen von selbst aus. Ein Antibiotikum ist dann häufig nicht nötig.
  • Jeder Einsatz fördert Bakterien, die gegen das Mittel unempfindlich sind. Ein gezielter und sparsamer Einsatz hält die Mittel wirksam.
  • Die häufigsten Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden. Selten kommt es zu einer schweren allergischen Reaktion.
  • Nehmen Sie Antibiotika genau so, wie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet hat. Übrig gebliebene Tabletten gehören nicht in eine Hausapotheke für später.

Bakterien, Viren und der entscheidende Unterschied

Antibiotika greifen Bakterien an. Sie töten sie ab oder bremsen ihr Wachstum. Gegen Viren wirken sie nicht. Deshalb bleibt ein Antibiotikum bei einer Grippe wirkungslos, gleichgültig wie lange Sie es einnehmen.

Die entscheidende Frage lautet: Geht die Infektion von einem Bakterium oder von einem Virus aus? Husten, Schnupfen, Bronchitis und Grippe werden meist von Viren ausgelöst. Schwere bakterielle Infektionen wie eine Lungenentzündung oder eine Gehirnhautentzündung sind die Fälle, in denen ein Antibiotikum nötig ist.

Beim Husten verlangen Menschen oft ein Antibiotikum. Ein viraler Husten fühlt sich dabei genauso an wie ein bakterieller. Das Mittel lindert ihn trotzdem nicht. Es bringt Nebenwirkungen mit und fördert Bakterien, die später schwerer zu bekämpfen sind.

Wann Antibiotika nötig sind

Antibiotika gehören zu den wichtigsten Entdeckungen in der Medizin. Sie bekämpfen Bakterien und können lebensbedrohliche Infektionskrankheiten heilen, gegen die es früher kein Mittel gab. Ärztinnen und Ärzte verschreiben ein Antibiotikum, wenn eine bakterielle Infektion von allein nicht ausheilt, zu lange heilen würde, schwere Folgen nach sich ziehen kann oder andere Menschen anstecken würde. Sie entscheiden das nach dem Krankheitsbild.

  • Bei schweren Infektionen wie einer Lungenentzündung oder einer Gehirnhautentzündung.
  • Bei Infektionen, die ohne Behandlung zu lange dauern oder schwere Komplikationen nach sich ziehen würden.
  • Wenn die Erreger sonst weitergegeben würden.
  • Vorbeugend bei Menschen mit hohem Infektionsrisiko.

Wie groß der Gewinn ist, hängt von der Erkrankung ab. Bei Halsschmerzen, die meist von Viren kommen, ist er gering. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 29 Studien mit 15.337 Fällen fand: Damit eine Person nach drei Tagen keine Halsschmerzen mehr hat, mussten weniger als sechs Menschen behandelt werden. Nach einer Woche waren es 18. Am dritten Tag ließen die Mittel das Fieber nicht deutlich sinken, sie reduzierten aber Kopfschmerzen. Meist erholen sich Menschen mit Halsschmerzen nach drei oder vier Tagen; ohne Antibiotikum waren 82 Prozent nach einer Woche beschwerdefrei.

Bei Halsschmerzen ist der Verzicht leichter zu begründen als bei einer Lungenentzündung.

Wer ein Antibiotikum erwartet, sollte im Gespräch fragen, gegen welchen Erreger es wirken soll.

Nebenwirkungen und Allergien

Wie jedes Medikament haben Antibiotika Nebenwirkungen. Zu den häufigsten gehören Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall. Meistens bleiben diese Beschwerden mild und gehen zurück, wenn die Einnahme endet.

Neben den Magen-Darm-Beschwerden sind allergische Reaktionen möglich. Manche Menschen reagieren besonders auf Penicillin und auf Cephalosporine, eine ähnlich wirkende Gruppe. Meistens bleibt die Reaktion bei einem gehobenen, juckenden Hautausschlag, bei Husten, pfeifendem Atmen oder Enge im Hals. In seltenen Fällen wird daraus eine schwere allergische Reaktion, die den Kreislauf betrifft und lebensbedrohlich werden kann.

Wann es sofort Hilfe braucht

Rufen Sie den Notruf 112, wenn während der Einnahme ein Ausschlag auftritt, der juckend, rot, geschwollen, blasig oder sich ablösend ist. Das Gleiche gilt bei pfeifendem Atmen, Enge in Brust oder Hals, Schwierigkeiten beim Sprechen und beim Anschwellen von Mund, Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals. Solche Zeichen sprechen für eine schwere allergische Reaktion. Sie brauchen sofort Behandlung im Krankenhaus.

Zwei Gruppen verdienen einen genaueren Blick. Tetrazykline machen die Haut empfindlich für Sonne und künstliches Licht. Fluorchinolone können in sehr seltenen Fällen schwere und dauerhafte Beschwerden an Gelenken, Muskeln und Nerven auslösen. Bei Schmerzen in Sehnen, Muskeln oder Gelenken, besonders an Knie, Ellbogen oder Schulter, sowie bei Kribbeln oder Taubheit beenden Sie die Einnahme und holen ärztlichen Rat ein.

Manche Antibiotika vertragen sich schlecht mit anderen Medikamenten. Manche Blutverdünner und Mittel gegen Sodbrennen können mit ihnen in Wechselwirkung treten, und manche Antibiotika beeinträchtigen die Wirkung der Antibabypille.

Resistenzen: Wenn Bakterien unempfindlich werden

Der lateinische Begriff Resistenz bedeutet Widerstand. Bakterien können die Eigenschaft erwerben, sie vor einem Antibiotikum zu schützen. Manche bilden einen Stoff, der bestimmte Mittel unwirksam macht. Schafft es ein Bakterium, sich gegen mehrere Antibiotika zu schützen, nennt man den Erreger multiresistent.

Jeder Einsatz von Antibiotika fördert diese Entwicklung. Empfindliche Bakterien sterben ab, die unempfindlichen überleben und vermehren sich weiter. Sie finden danach mehr Platz und mehr Nährstoffe als zuvor. Wer sich mit einem solchen Erreger ansteckt, für den wirkt das betreffende Antibiotikum nicht mehr.

Der Schutz gegen Antibiotika entsteht durch zufällige Veränderungen im Erbgut der Bakterien. Bakterien tauschen solche Anlagen untereinander aus und geben sie weiter. Dadurch teilen immer mehr Erreger den gleichen Schutz. Bakterien können sich auch von Natur aus gegen Antibiotika schützen, die andere Mikroorganismen wie Pilze bilden. Deshalb kommen Resistenzen ganz natürlich in der Umwelt vor.

Verliert ein Antibiotikum seine Wirkung, ist praktisch jeder gefährdet. Ein Einsatz ohne bestätigte Bakterieninfektion, eine zu lange Einnahme oder ein ungeeignetes Mittel beschleunigen diesen Verlust. Die Bildung von Resistenzen lässt sich höchstens verlangsamen. Sie gehört zu den großen Herausforderungen für die globale Gesundheit.

Resistente Erreger treten dort auf, wo viele Antibiotika eingesetzt werden, etwa in Kliniken und in der Landwirtschaft. Infektionen mit resistenten Erregern verlaufen oft schwieriger. Ein höheres Risiko tragen Menschen mit schwachem Immunsystem, mit Autoimmunerkrankungen, Diabetiker, Krebspatienten bei einer Chemotherapie und ältere Menschen, bei denen die Immunabwehr nachlässt.

Die Größenordnung ist gewaltig. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation waren weltweit 1 von 6 im Labor bestätigten Bakterieninfektionen gegen Antibiotika unempfindlich. Mehr als 4,7 Millionen Todesfälle weltweit stehen im Zusammenhang mit dieser Unempfindlichkeit.

Und je häufiger Antibiotika bei belanglosen Beschwerden eingesetzt werden, desto unwahrscheinlicher wirken sie bei ernsten Krankheiten. Deshalb werden Antibiotika zum Beispiel nicht mehr routinemäßig eingesetzt bei Infektionen der unteren Atemwege, Ohrentzündungen bei Kindern und Halsschmerzen.

Die Folgen gehen über das einzelne Krankenbett hinaus. Infektionen mit resistenten Erregern führen häufig zu einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus, einer erheblichen Belastung für die Betroffenen und höheren Behandlungskosten. Für Sie als Patientin oder Patient heißt das: Eine Infektion mit unempfindlichen Bakterien verläuft länger und belastender als eine, die auf ein Antibiotikum anspricht.

Wirkstoffe gegen unempfindliche Bakterien entstehen nur selten. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt eine Forschungskrise und wenige Wirkstoffe in der Pipeline. Jeder sorgsame Verzicht auf ein Antibiotikum arbeitet deshalb für diese Reserve.

Antibiotika richtig einnehmen

Antibiotika sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüft vorher, ob überhaupt eine bakterielle Infektion vorliegt, und wählt das passende Mittel aus. Das Robert Koch-Institut warnt davor, Antibiotika ohne bestätigte Bakterieninfektion, über einen zu langen Zeitraum oder in falscher Dosierung anzuwenden. Jeder dieser drei Fehler begünstigt unempfindliche Bakterien. Was Sie dann tun müssen, steht im Beipackzettel und in der Anweisung der Praxis. Fünf Punkte sind besonders wichtig:

  • So lange, wie verordnet. Beenden Sie die Einnahme nicht eigenmächtig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Packung weglassen.
  • Mit Wasser statt mit Saft oder Milch. Die Einnahme mit Säften, Milchprodukten oder Alkohol kann die Aufnahme mancher Wirkstoffe verändern. Nach der Einnahme kann es nötig sein, bis zu drei Stunden mit dem Verzehr von Milchprodukten zu warten. Grapefruitsaft und Nahrungsergänzungsmittel mit Mineralstoffen wie Kalzium können die Wirkung ebenfalls hemmen.
  • In gleichmäßigen Abständen. Wenn ein Medikament dreimal am Tag eingenommen werden soll, halten feste Abstände die Wirkung über den Tag gleichmäßig. Wer es alle 8 Stunden einnehmen soll, merkt sich als feste Zeiten zum Beispiel 6, 14 und 22 Uhr.
  • Vergessene Dosis. Nehmen Sie die vergessene Dosis, sobald Sie sich daran erinnern, und fahren Sie danach normal fort. Ist es fast Zeit für die nächste Dosis, lassen Sie die verpasste aus. Eine doppelte Dosis nehmen Sie nie.
  • Nur das eigene Medikament. Ob Sie eine Tablette zur leichteren Einnahme teilen dürfen, hängt vom Wirkstoff ab. Fragen Sie danach in der Praxis oder in der Apotheke.

Bleiben am Ende Tabletten übrig, geben Sie sie nicht weiter und heben sie nicht für später auf. Antibiotika wirken gezielt gegen einen Erreger und eine Erkrankung. In einer anderen Situation können sie wirkungslos sein oder Schaden anrichten. Was Sie mitnehmen, erfahren Sie aus dem Beipackzettel und aus der Beratung in der Praxis.

Nach der Behandlung

Die Tage nach der letzten Einnahme entscheiden mit über den Erfolg. Zwei Punkte sind dann wichtig:

  • Darmflora und Scheidenflora leiden mit. Antibiotika können durchfallartige Beschwerden oder eine Pilzinfektion auslösen. Bei anhaltendem Durchfall oder weißlichem Ausfluss sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, wie das behandelt wird.
  • Übrig gebliebene Tabletten entsorgen. Nicht in den Ausguss und nicht in die Toilette, das belastet die Umwelt und trägt zur Bildung von Resistenzen bei. Reste gehören in den normalen Hausmüll oder in eine Apotheke. Apotheken müssen angebrochene Packungen nicht zurücknehmen.

Noch besser ist es, die nächste Infektion zu verhindern. Saubere Hände, sorgfältig behandelte Wunden und Impfungen senken die Zahl der Bakterieninfektionen und mit ihnen die Zahl der Behandlungen, bei denen ein Antibiotikum nötig wird.

Häufig gestellte Fragen

Warum reicht bei meiner Erkältung kein Antibiotikum?

Erkältung, Grippe, Schnupfen, Bronchitis und der größte Teil aller Husten gehen von Viren aus. Antibiotika greifen nur Bakterien an. Viele leichte Bakterieninfektionen heilen außerdem von selbst aus, weil das Immunsystem sie ohne Hilfe erledigt. In beiden Fällen bringt das Mittel keinen Nutzen, aber Nebenwirkungen und einen Beitrag zur Resistenzbildung.

Wie lange muss ich ein Antibiotikum einnehmen?

So lange, wie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet hat, und in der verschriebenen Dosis. Eine feste Zahl von Tagen gibt es nicht für jede Erkrankung. Bei Halsschmerzen zum Beispiel verschwinden die Beschwerden bei 82 Prozent der Menschen nach einer Woche von selbst, der Zusatznutzen von Antibiotika liegt in den ersten Tagen. Bei einer Lungenentzündung wiegt der Nutzen über die ganze Einnahme deutlich schwerer. Fragen Sie im Zweifel nach, statt die Einnahme selbst zu kürzen.

Was passiert bei einer allergischen Reaktion?

Hautausschlag, Juckreiz, pfeifendes Atmen, Enge in Brust oder Hals und eine Schwellung an Mund, Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals können Zeichen einer schweren allergischen Reaktion sein. Rufen Sie dann den Notruf 112 und lassen Sie sich sofort im Krankenhaus behandeln. Leichte Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall sind häufig und verschwinden meist nach der Einnahme.

Darf ich eine Tablette teilen oder weitergeben?

Weitergeben: nein. Ein Antibiotikum ist nur für die Person bestimmt, für die es verschrieben wurde. Ob Sie eine Tablette teilen dürfen, hängt vom Wirkstoff ab; fragen Sie in der Praxis oder Apotheke. Ein anderes Mittel kann anders dosiert sein, anders eingenommen werden und gegen andere Erreger wirken. Bei Kindern, in der Schwangerschaft und bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion braucht die Dosierung besondere Sorgfalt.

Bin ich während der Einnahme noch ansteckend?

Ja. Auch nach Beginn der Einnahme können Sie noch ansteckend sein. Je nach Infektion und Behandlung kann es 48 Stunden bis 14 Tage dauern, bis Sie niemanden mehr anstecken. Bis dahin sind saubere Hände und Abstand zu Menschen mit geschwächtem Immunsystem wichtig. Bei Husten decken Sie Mund und Nase ab.

Quellen

  1. World Health Organization. Antimicrobial resistance. who.int
  2. Robert Koch-Institut. Grundwissen Antibiotikaresistenz. rki.de
  3. Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Krankenhausinfektionen und Antibiotikaresistenz. rki.de
  4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Antibiotika richtig anwenden und Resistenzen vermeiden. gesundheitsinformation.de, Stand 03.09.2025. gesundheitsinformation.de
  5. NHS. Antibiotics (Medicines A to Z). nhs.uk
  6. NHS. Side effects of antibiotics. nhs.uk
  7. NHS. Antibiotic resistance. nhs.uk
  8. Spinks A, Glasziou PP, Del Mar CB. Antibiotics for adults and children with sore throats. Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, Issue 12. Art. No.: CD000023. cochrane.org