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Mentale Gesundheit

Wie sich eine Depression bei Männern zeigt

Eine Depression kann sich bei Männern als Unruhe, Rückzug oder vermehrter Alkoholkonsum zeigen, ohne dass Traurigkeit im Vordergrund steht.

Mentale Gesundheit9 Min. Lesezeit

Wer diese Zeichen mit Stress, Überarbeitung oder einer ohnehin schlechten Laune verwechselt, sucht oft spät Hilfe. Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, und sie lassen sich behandeln.

Männer suchen bei seelischen Beschwerden seltener Hilfe als Frauen und berichten andere Symptome.

Das Wichtigste in Kürze

  • Männer erkranken seltener an einer Depression als Frauen. Im Laufe des Lebens trifft es aber etwa jeden achten Mann.
  • Eine Depression gilt als Krankheit, wenn Haupt- und Nebensymptome zwei Wochen oder länger anhalten.
  • Männer mit Depression berichten häufiger als Frauen von Alkohol- und Drogenmissbrauch und von Risikoverhalten.
  • Psychotherapie und Medikamente gehören zu den wichtigsten Bausteinen der Behandlung. Bewegung kann sie ergänzen.
  • Bei akuter Gefahr rufen Sie 112. Die TelefonSeelsorge erreichen Sie rund um die Uhr unter 0800 111 0 111.

Wie häufig Depressionen bei Männern vorkommen

Schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder an einer chronisch depressiven Verstimmung, die Dysthymie heißt. Viele Menschen sind schon vor dem 30. Lebensjahr betroffen. Das Robert Koch-Institut beziffert den Anteil der Menschen, die irgendwann im Leben an einer Depression erkranken, auf 19 Prozent. Getrennt nach Geschlecht nennt das Institut 12 Prozent für Männer und 25 Prozent für Frauen.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Für das letzte Jahr nennt das Robert Koch-Institut 14 Prozent bei Frauen und 8 Prozent bei Männern. Nach einer weiteren Erhebung desselben Instituts berichteten 5 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen, dass bei ihnen in den letzten zwölf Monaten ein Arzt oder ein Psychotherapeut eine Depression oder eine depressive Verstimmung festgestellt hatte. Wurde die Depression festgestellt, waren Männer und Frauen etwa gleich häufig in Behandlung, jeweils rund 8 von 10.

Woran Ärztinnen und Ärzte eine Depression erkennen

Eine Depression gilt als Krankheit, wenn mehrere Haupt- und Nebensymptome zwei Wochen oder länger anhalten. Zu den Hauptsymptomen gehören ein gedrückter, depressiver Stimmungszustand, Freudlosigkeit und wenig Interesse an Dingen, die einem vorher wichtig waren sowie Antriebsmangel mit schneller Ermüdung. Die Grundlage für diese Einteilung bildet die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, die die Diagnose nach den Regeln der Weltgesundheitsorganisation einordnet.

Zu den Nebensymptomen gehören:

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • geringes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle
  • innere Unruhe
  • Hoffnungslosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Gedanken an den eigenen Tod oder Versuche, sich das Leben zu nehmen

Depressive Beschwerden gehen oft mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen einher. Bei älteren Menschen zeigt sich eine Depression manchmal vor allem über körperliche Beschwerden wie Gewichtsverlust oder unerklärliche Schmerzen. Ärztinnen und Ärzte prüfen deshalb zusätzlich, ob andere Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen, und nehmen dafür auch körperliche Untersuchungen vor.

Anzeichen, die bei Männern häufiger vorkommen

Eine systematische Übersichtsarbeit hat 32 Studien mit 108.260 Teilnehmenden ausgewertet. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen waren klein, aber messbar. Männer mit Depression berichteten folgende Beschwerden häufiger und stärker als Frauen:

  • Alkohol- und Drogenmissbrauch
  • Risikoverhalten und eine schlechtere Kontrolle eigener Impulse

Frauen berichteten dagegen häufiger eine gedrückte Stimmung, Probleme mit Appetit und Gewicht sowie Schlafstörungen. Die Übersichtsarbeit empfiehlt deshalb, bei Männern gezielt nach Alkohol- und Drogenkonsum, nach Risikoverhalten und nach der Kontrolle eigener Impulse zu fragen.

Im Alltag fällt oft Rückzug auf. Viele meiden soziale Kontakte und gehen kaum noch aus dem Haus, auch die Arbeit fällt schwer. Es kann zu Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch kommen.

Für die Diagnose zählen die Haupt- und Nebensymptome. Mehrere davon müssen zwei Wochen oder länger anhalten.

Warum Männer seltener Hilfe suchen

Viele Männer mit einer Depression kommen nicht von selbst in die Praxis. Eine systematische Übersichtsarbeit zu 37 Studien beschreibt, dass die Anpassung an überlieferte Männlichkeitsvorstellungen Männer mit Depression dreifach trifft: ihre Beschwerden und deren Ausdruck, ihre Haltung zum Hilfesuchen und ihren Umgang mit den Symptomen.

Ein weiterer Grund hat mit der Kraft zu tun. Viele Betroffene sind so schwer erkrankt, dass sie nicht mehr die Kraft haben, sich selbst Hilfe zu suchen. An dieser Stelle sind die Menschen im Umfeld gefragt. Die Unterstützung durch nahestehende Menschen ist sehr wichtig, und für viele Menschen ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle.

Wenn Sie jemanden beobachten, der von seinem üblichen Verhalten abweicht, achten Sie auf diese Zeichen:

  • Die Stimmung ist wochenlang gedrückt, ohne dass ein Grund erkennbar ist.
  • Kontakte brechen weg. Das Haus wird kaum noch verlassen.
  • Die Menge Alkohol nimmt zu, oder Tabletten und andere Substanzen kommen hinzu.
  • Gedanken über den Tod werden geäußert, auch nebenbei und beiläufig.

Sprechen Sie den Betroffenen an, ohne ihm eine Diagnose zu stellen. Fragen Sie, was ihn belastet, und bieten Sie an, den ersten Termin gemeinsam zu vereinbaren. Das erste Gespräch in der Praxis lässt sich am besten vorbereiten, wenn jemand mitkommt.

Was gegen eine Depression hilft

Eine Depression lässt sich behandeln. Zu den wichtigsten Bausteinen gehören eine Psychotherapie und Medikamente. Beide können auch kombiniert werden. Welche Behandlung infrage kommt, hängt davon ab, wie schwer die Erkrankung ist, welche Beschwerden bestehen und wie sich die Erkrankung auf den Alltag auswirkt. Diese Entscheidung fällt in der Praxis gemeinsam mit Ihnen.

Bewegung ist ein weiterer Baustein, und zu diesem Punkt liegen viele Studien vor. Menschen, die an Bewegungsprogrammen teilnahmen, hatten im Durchschnitt weniger Beschwerden als Menschen ohne ein solches Programm und ohne andere Behandlung. Programme mit persönlicher Anleitung waren wirksamer als Programme ohne Anleitung. Die meisten dieser Programme liefen über 1 bis 16 Wochen. Nebenwirkungen traten kaum auf, und wenn doch, waren es meist leichtere Muskel- oder Gelenkbeschwerden.

Bei leichten Depressionen ist körperliche Aktivität eine gute Alternative für Menschen, die nicht sofort eine Behandlung beginnen möchten. Bei mittelschweren oder schweren Depressionen ersetzt Bewegung eine Psychotherapie oder Medikamente meist nicht. Sie ergänzt sie. Auch bei starken Beschwerden hilft es schon, regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft zu unternehmen.

Was Sie selbst tun können:

  • Gehen Sie regelmäßig spazieren, auch wenn es schwerfällt.
  • Reduzieren Sie Alkohol. Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch kann eine bestehende Depression verstärken.
  • Sagen Sie einer Person, der Sie vertrauen, Bescheid und lassen Sie einen Termin mit ihr vereinbaren.

Die ersten Schritte

Für die meisten Menschen ist die Hausärztin oder der Hausarzt die richtige erste Adresse. Die Praxis koordiniert die Behandlung mit anderen Einrichtungen und verweist an psychiatrische oder psychotherapeutische Praxen und Kliniken. Sie können auch direkt zu einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten gehen.

Was Sie von einem Psychotherapieplatz wissen sollten:

  • In der psychotherapeutischen Sprechstunde können Erwachsene kurzfristig bis zu 6 Gesprächstermine à 25 Minuten erhalten.
  • Die ersten Termine in einer Therapiepraxis heißen probatorische Sitzungen. Sie prüfen, ob die Zusammenarbeit passt. Die Krankenkasse bezahlt sie auch dann, wenn Sie die Therapie danach nicht fortsetzen.
  • Wer eine ambulante Psychotherapie möchte, muss je nach Region manchmal mit Wartezeiten von mehreren Wochen oder Monaten rechnen.
  • Nach einem Praxiswechsel sind erneut probatorische Sitzungen möglich.

Läuft eine Psychotherapie nicht gut, ist das kein Grund zum Aufgeben. Als Gründe kommen laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen infrage: Die Beschwerden sind zu stark. Andere Erkrankungen oder belastende Lebensumstände beeinträchtigen die Behandlung. Die Therapieform passt nicht oder wird nicht fachgerecht durchgeführt. Die Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten stimmt nicht. Oder die Diagnose ist falsch gestellt. Sprechen Sie das offen an, gemeinsam wird nach Ursachen und Lösungen gesucht.

Hilfe in der Krise

Holen Sie eine vertraute Person dazu, wenn Sie können. Viele Menschen mit Depression schaffen den Weg in die Praxis nicht allein. Diese Person kann den Anruf übernehmen, Sie begleiten oder mit Ihnen in die Praxis kommen.

Bei konkreten Gedanken an den eigenen Tod sind drei Stellen erreichbar:

  • Die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111. Der Dienst ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym.
  • Der Rettungsdienst unter 112. Diese Nummer gilt bei akuter Gefahr für Sie selbst oder für eine andere Person.
  • Die nächste psychiatrische Klinik oder Ihre ärztliche oder psychotherapeutische Praxis.

Der Sozialpsychiatrische Dienst berät, macht Hausbesuche und vermittelt ärztliche sowie psychotherapeutische Hilfe, besonders in Krisensituationen. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht erreichbar.

Nehmen Sie Gedanken über den eigenen Tod ernst, auch wenn sie nebenbei fallen, und sprechen Sie mit anderen darüber. Auch nach einer überstandenen Depression lohnt Aufmerksamkeit: Bei etwa der Hälfte der Menschen, die zum ersten Mal eine Depression erleben, kehrt die Erkrankung zurück, nachdem die Beschwerden abgeklungen sind.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Depression bei Männern selten?

Nein. Männer erkranken seltener, aber nicht selten. Für das letzte Jahr nennt das Robert Koch-Institut 8 Prozent bei Männern und 14 Prozent bei Frauen. Für das gesamte Leben nennt das Institut 12 Prozent bei Männern und 25 Prozent bei Frauen. Die Angabe von 16 bis 20 von 100 Menschen gilt für Frauen und Männer zusammen.

Kann ich eine Depression selbst erkennen?

Sie können ein Gefühl dafür bekommen. Einen sicheren Test gibt es nicht. Anzeichen für eine Depression sind ein gedrückter Stimmungszustand, fehlende Freude an allem und Antriebsmangel, wenn sie zwei Wochen oder länger anhalten. Ob eine Depression vorliegt und wie schwer sie ist, klärt das Gespräch in der Praxis.

Reicht Bewegung allein?

Bei leichten Depressionen kann körperliche Aktivität eine gute Alternative sein, wenn Sie nicht sofort mit einer Behandlung beginnen möchten. Bei mittelschweren oder schweren Depressionen ersetzt Bewegung eine Psychotherapie oder Medikamente meist nicht. Dort wirkt Bewegung gut als Ergänzung.

Wie lange dauert die Behandlung einer Depression?

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schreibt, dass etwa die Hälfte der Menschen in Behandlung nach ungefähr 3 bis 6 Monaten eine deutliche Besserung spürt. Psychotherapien wirken unterschiedlich: Manchen helfen schon wenige Sitzungen, andere brauchen eine längere Behandlung.

Was, wenn ich keine Hilfe annehmen will?

Sagen Sie einer Person, der Sie vertrauen, Bescheid. Viele Menschen mit Depression sind so schwer erkrankt, dass sie nicht mehr die Kraft haben, sich selbst Hilfe zu suchen. Diese Person kann einen Termin mit Ihnen vereinbaren.

Warum ist Alkohol problematisch?

Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch kann eine bestehende Depression verstärken. Die systematische Übersichtsarbeit zu 32 Studien hat bei Männern mit Depression einen häufigeren Alkohol- und Drogenkonsum gefunden als bei Frauen. Einen solchen Teufelskreis zu durchbrechen, gelingt oft nur mit Hilfe von außen. Wenn Sie merken, dass Sie trinken, um Ihre Stimmung zu steuern, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber.

Quellen

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Depression. gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/depression.html
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wer hilft bei Depressionen? gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/wer-hilft-bei-depressionen.html
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie wirksam sind Psychotherapien bei Depressionen? gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/wie-wirksam-sind-psychotherapien-bei-depressionen.html
  4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Helfen Sport und Bewegung gegen Depressionen? gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/helfen-sport-und-bewegung-gegen-depressionen.html
  5. Robert Koch-Institut. Depressive Erkrankungen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 51. Berlin: Robert Koch-Institut. https://www.gbe-bund.de/pdf/Depressive_Erkrankungen.pdf
  6. Cavanagh A, Wilson CJ, Kavanagh DJ, Caputi P. Differences in the Expression of Symptoms in Men Versus Women with Depression: A Systematic Review and Meta-analysis. Harvard Review of Psychiatry. 2017; 25: 29–38. PMID 28059934. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28059934/
  7. Seidler ZE, Dawes AJ, Rice SM, Oliffe JL, Dhillon HM. The role of masculinity in men’s help-seeking for depression: A systematic review. Clinical Psychology Review. 2016; 49: 106–118. PMID 27664823. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27664823/
  8. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression. AWMF-Registernr.: nvl-005. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-005
  9. Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Akute Suizidgefahr: schnelle Hilfe und Notfallkontakte. https://www.deutsche-depressionshilfe.de/akut
  10. TelefonSeelsorge Deutschland. Telefon. https://www.telefonseelsorge.de/telefon/