Falten, Flecken und schlaffere Haut entstehen im Körper über die Jahrzehnte. Ein zweiter Anteil entsteht durch Sonne, Rauchen und Umweltgifte. Der innere Anteil lässt sich kaum aufhalten, der äußere weitgehend vermeiden.
Genau diese Trennung entscheidet darüber, was sich lohnt. Gegen die äußeren Belastungen wirkt etwas: Sonnenschutz und Rauchfreiheit bremsen die äußere Hautalterung. Bei den inneren Vorgängen sind die Erfolgschancen deutlich kleiner.
Das Wichtigste in Kürze
- Die innere Hautalterung folgt den Lebensjahren und den Erbanlagen. Der äußere Anteil entsteht durch Sonne, Rauchen, Luftverschmutzung und Ernährung.
- UV-Licht ist der wichtigste einzelne Faktor von außen. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums nennt ihn den bedeutendsten Risikofaktor für nahezu alle Arten von Hautkrebs.
- Schutz entsteht in dieser Reihenfolge: Die pralle Sonne meiden, Schatten suchen, Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille tragen. Sonnencreme deckt nur ab, was übrig bleibt.
- Unter den Retinoiden ist Tretinoin das einzige, das bei Lichtalterung und Falten wirkt. Es wirkt über Monate und reizt die Haut.
- Zusätzliche Vitamine haben keinen nachgewiesenen Nutzen gegen Hautalterung. Betacarotin blieb in einer großen randomisierten Studie ohne Wirkung auf die Haut.
Zwei Arten von Hautalterung
Die Dermatologie spricht von innerer und äußerer Alterung. Die innere läuft mit den Lebensjahren und hängt an den Erbanlagen. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Wong und Chew hat sieben Faktoren herausgearbeitet, die die Hautalterung messbar beeinflussen: Alter, Geschlecht, Herkunft, Luftverschmutzung, Ernährung, Rauchen und Sonneneinstrahlung. Die Autoren zählen Alter und Gene zu den inneren Faktoren, Sonne und Rauchen zu den äußeren.
Sichtbar wird die Hautalterung dort, wo sich die inneren und die äußeren Vorgänge überlagern. Zu den typischen Zeichen zählen ungleichmäßige Pigmentierung, schlaffere Haut, Falten und eine lederige Oberfläche.
UV-Licht treibt die Alterung von außen an
Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums führt UV-Strahlung als nachweislich krebserregend und als bedeutendsten Risikofaktor für nahezu alle Arten von Hautkrebs auf. Die Weltgesundheitsorganisation nennt als dauerhafte Folge übermäßiger UV-Belastung einen Verlust der Spannkraft der Haut und eine schlechtere Wundheilung.
Die Strahlung wirkt in zwei Arten. UV-B dringt bis in die Oberhaut und ist hauptverantwortlich für Rötung und Sonnenbrand. UV-A dringt tiefer ein und greift das Bindegewebe unter der Oberhaut an. Eine dermatologische Übersichtsarbeit beschreibt den Ablauf so: Wiederholte UV-Belastung baut das Kollagen ab und hemmt dessen Aufbau, bis sich Falten und schlaffere Haut zeigen.
Bräunung ist kein Schutz
Eine Bräunung entsteht, weil die Haut auf die Strahlung reagiert. Sie schützt die Haut kaum. Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes baut auch rasche und starke Bräunung höchstens einen Schutz auf, der dem einer Sonnencreme mit dem Lichtschutzfaktor 2 entspricht. Künstliche UV-Strahlung aus dem Solarium stufen Fachleute getrennt von der Sonne als höchst krebserregend ein.
Auch die Haut selbst schützt eine Weile. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt dafür die Eigenschutz-Zeit, also die Zeit, die ungebräunte Haut an einem Tag in der Sonne verbringen kann, ohne rot zu werden.
- Hauttyp I, sehr helle Haut: Die Haut rötet sich nach spätestens 10 Minuten.
- Hauttyp II, helle Haut: Die Haut rötet sich nach spätestens 20 Minuten.
- Hauttyp III, helle bis hellbraune Haut: Die Haut rötet sich nach spätestens 30 Minuten.
- Hauttyp IV, hellbraune oder olivfarbene Haut: Die Haut rötet sich nach spätestens 50 Minuten.
- Hauttyp V und VI, dunkle bis schwarze Haut: Die Haut rötet sich erst nach über 60 Minuten.
Diese Eigenschutz-Zeit bewahrt die Haut laut dem Institut nur vor Sonnenbrand. Vor Schäden durch UV-Licht schützt sie nicht. Bei hellen Hauttypen ist die genannte Zeit besonders kurz.
Sonnenschutz, der mehr bringt als Sonnencreme
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Sonnenschutz ab einem UV-Index von 3 und höher. Sie nennt Schatten und Kleidung die wirksamste Form des Schutzes und rät, Sonnencreme nicht zum Anlass für einen längeren Aufenthalt in der Sonne zu nehmen. Der Krebsinformationsdienst empfiehlt dieselbe Reihenfolge: erst die pralle Sonne meiden, dann Schatten, Kleidung und Kopfbedeckung. Sonnencreme dient dort nur für Hautstellen, die sich nicht bedecken lassen.
- Pralle Sonne meiden: In den meisten Gegenden ist die UV-B-Strahlung zwischen 11 und 15 Uhr am höchsten.
- Schatten suchen: Schatten kann die UV-Strahlung um 50 bis 95 Prozent mindern.
- Bekleiden: Dunkle, fest gewebte oder dichte Kleidung schützt gut. Dichte Baumwollbekleidung erreicht einen UV-Schutzfaktor von etwa 20.
- Sonnenbrille tragen: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Sonnenbrille mit 99 bis 100 Prozent Schutz gegen UV-A- und UV-B-Strahlung.
- Sonnencreme auftragen: Der Krebsinformationsdienst nennt für Erwachsene mindestens Lichtschutzfaktor 30 und im Hochsommer 50 und höher. Der Lichtschutzfaktor beschreibt nur den Schutz vor UV-B-Strahlung, deshalb gehört das Zeichen für UV-A-Schutz auf die Packung.
Der Eigenschutz der Haut und der Lichtschutzfaktor der Creme multiplizieren sich zu einer längeren Zeit, die Sie in der Sonne verbringen können. Sonnencreme wirkt nur, wenn Sie genug davon auftragen und regelmäßig nachcremen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen empfiehlt, alle zwei Stunden nachzutragen, und weist darauf hin, dass wiederholtes Eincremen die maximale Schutzzeit der Creme nicht verlängert. Eine 200-ml-Flasche reicht bei einem Erwachsenen für etwa sechs Ganzkörper-Anwendungen.
Der Nutzen ist in Zahlen messbar. In einer randomisierten Studie mit 903 Erwachsenen unter 55 Jahren zeigte die Gruppe mit täglicher Sonnencreme nach 4,5 Jahren keinen messbaren Anstieg der Hautalterung. Am Ende der Studie lag ihre Hautalterung um 24 Prozent niedriger als in der Gruppe mit gelegentlicher Nutzung.
Bei etwa 20 von 100 Personen lösen Filter und Zusatzstoffe in Sonnencreme Beschwerden aus, etwa Rötungen oder allergische Reaktionen. Den Sonnenschutz beeinträchtigt das nicht.
Rauchen, Schlaf, Ernährung und Luft
Das Rauchen gehört zu den am besten belegten äußeren Faktoren. In der Übersichtsarbeit von Wong und Chew hing Rauchen mit mehreren Zeichen der Hautalterung zusammen. Über vier Studien hinweg zeigte sich ein deutlich stärkerer Zusammenhang mit Falten, wenn die Zahl der gerauchten Packungen höher lag.
Beim Schlaf fällt die Studienlage dünner aus. In einer Untersuchung an 60 Frauen zeigten die Teilnehmerinnen mit gutem Schlaf geringere Zeichen der inneren Alterung als die Vergleichsgruppe. Nach einer künstlichen Schädigung erholten sich die Hautbarrieren der gut Schlafenden um 30 Prozent besser. Als gute Schläferinnen galten in dieser Studie Frauen mit 7 bis 9 Stunden Schlaf, als schlechte die Frauen mit höchstens 5 Stunden. Die Autoren schließen daraus, dass chronisch schlechter Schlaf mit mehr Zeichen der inneren Alterung und einer schwächeren Hautbarriere einhergeht.
Zur Ernährung liegen nur sechs Studien vor, und sie kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Mehrere dieser Arbeiten nennen denselben Zusammenhang: Eine gesündere Ernährung geht mit einer geringer ausgeprägten Hautalterung einher. Fettsäuren waren mit weniger Trockenheit und weniger Lichtalterung verbunden, ein höherer Gemüsekonsum mit weniger Falten. Nur eine dieser Studien hat die gesamte Ernährung über einen Index gemessen, die übrigen betrachteten einzelne Lebensmittelgruppen und Nährstoffe. Auf dieser dünnen und uneinheitlichen Basis lässt sich noch keine klare Empfehlung geben.
Luftverschmutzung taucht in den großen Übersichtsarbeiten ebenfalls auf. Fleckigkeit und Falten im Gesicht zeigten in den ausgewerteten Studien einen Zusammenhang mit verschiedenen Schadstoffen in der Luft, darunter Feinstaub, Ozon und Ruß. Bei Alkohol blieb das Bild uneinheitlich. Nur eine von mehreren Untersuchungen fand einen Zusammenhang zwischen mehr als 40 Gramm Alkohol pro Tag und Falten.
Was gut belegt ist: Retinoide
Unter den Antiaging-Wirkstoffen hat eine Gruppe eine eigene Studienlage: die Retinoide. Tretinoin ist ein Abkömmling des Vitamins A und unter den Retinoiden das einzige, das bei Lichtalterung und Falten wirkt. Eine systematische Übersichtsarbeit hat 180 Studien gesichtet und daraus sieben randomisierte Studien ausgewertet, zusammen 739 Teilnehmende.
In diesen Studien verbesserte Tretinoin das Aussehen der Haut: Falten wurden feiner, ungleichmäßige Pigmentierung und Altersflecken gingen zurück, die Haut wirkte straffer. Die Übersichtsarbeit führt diese Wirkung auf zwei Vorgänge zurück: Tretinoin fördert den Aufbau von Kollagen und bremst dessen Abbau. Die Behandlungen dauerten zwischen 3 und 24 Monate. Erste Veränderungen zeigten sich in einigen Studien nach einem Monat, gemessen wurde der belastbare Effekt aber über mehrere Monate. Planen Sie entsprechend mehrere Monate ein.
Die Studienlage hat auch eine Kehrseite. Rötung, Schuppung, Jucken, Brennen und Trockenheit zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen. Die Rauigkeit der Hautoberfläche besserte sich in den ausgewerteten Studien nicht, alle anderen Zeichen dagegen deutlich.
Eine Metaanalyse von acht randomisierten Studien mit 1361 Patienten kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Beobachtungszeiten lagen zwischen 16 Wochen und 2 Jahren.
Was wenig belegt ist
Betacarotin gilt als möglicher Sonnenschutz von innen. In derselben Studie mit 903 Erwachsenen blieb es ohne Wirkung auf die Hautalterung, obwohl die entsprechenden Gruppen täglich 30 mg davon einnahmen. Eine Übersichtsarbeit zum Vitamin C nennt die Wirkung von Vitaminpräparaten umstritten und die Studienlage zu Vitamin-C-haltigen Cremes dünn.
Die Studien zu Cremes sind klein. In einer doppelblinden Untersuchung mit zehn Teilnehmenden über zwölf Wochen verbesserte sich das Aussehen der Haut unter einer Zubereitung mit 10 Prozent Vitamin C gegenüber einer Creme ohne Wirkstoff messbar. Eine solche Studie trägt keine Empfehlung für teure Präparate.
Gegen Sonne und Rauchen hilft vor allem weniger Belastung.
Realistische Erwartungen
Hautalterung lässt sich nicht zurückdrehen. Sie lässt sich bremsen, und wie stark das gelingt, hängt davon ab, wie viel Sonne die Haut täglich trifft. Über Jahre gemessen bringt tägliches Eincremen einen messbaren Unterschied. Der Nutzen von Retinoiden wurde über Monate gemessen. Beides gehört dazu.
Wer ein Retinoid anwendet, muss mit Rötung, Schuppung, Brennen und Trockenheit rechnen.
Sonnenschutz ersetzt die Selbstuntersuchung der Haut nicht. Der Krebsinformationsdienst weist darauf hin, dass ein konsequenter Sonnenschutz die regelmäßige Selbstuntersuchung auf verdächtige Veränderungen und das Hautkrebsscreening nicht ersetzt.
Beim Schutz vor Hautkrebs ist die Datenlage gemischt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen berichtet, dass Menschen mit Sonnenschutz seltener ein Plattenepithelkarzinom entwickeln. Ein Schutz vor dem Melanom und dem Basalzellkarzinom gilt dort bislang als nicht nachgewiesen.
Eine Grenze bleibt: Auch bei perfektem Sonnenschutz altert die Haut weiter. Das liegt am inneren Anteil der Alterung.
Häufig gestellte Fragen
Hilft Sonnencreme wirklich gegen Falten?
Ja, gemessen an einer großen Studie mit 903 Erwachsenen. Nach 4,5 Jahren täglichem Eincremen lag die Hautalterung um 24 Prozent niedriger als bei gelegentlicher Nutzung. Voraussetzung ist die Menge: Eine 200-ml-Flasche reicht bei einem Erwachsenen für etwa sechs Ganzkörper-Anwendungen, und alle zwei Stunden sollte nachgetragen werden.
Ich hatte früher einen Sonnenbrand. Lohnt sich Sonnenschutz trotzdem noch?
Ja. In der Studie mit 903 Erwachsenen zeigte die Gruppe mit täglicher Sonnencreme nach 4,5 Jahren keinen messbaren Anstieg der Hautalterung. Für den Schutz zählen drei Punkte: ausreichend Menge auftragen, alle zwei Stunden nachcremen und im Hochsommer einen Lichtschutzfaktor von 50 und höher wählen.
Wie lange dauert es, bis ein Retinoid wirkt?
Die ausgewerteten Studien liefen zwischen 3 und 24 Monate. Erste Veränderungen wurden in einzelnen Studien schon nach einem Monat beschrieben, der deutliche Effekt trat über mehrere Monate auf. Planen Sie mehrere Monate ein und rechnen Sie anfangs mit Rötung, Schuppung und Trockenheit.
Wie viel schützt Schatten und Kleidung im Vergleich zur Sonnencreme?
Die Weltgesundheitsorganisation nennt Schatten und Kleidung die wirksamste Form des Schutzes. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beziffert die Minderung der UV-Strahlung im Schatten auf 50 bis 95 Prozent. Dichte Baumwollbekleidung erreicht einen UV-Schutzfaktor von etwa 20. Sonnencreme bleibt für die Hautstellen nötig, die Kleidung nicht bedeckt.
Brauche ich Sonnenschutz bei bedecktem Himmel?
Ja. Eine dünne Wolkendecke hält kaum UV-Strahlung ab, und auch bei bewölktem Himmel ist auf ausreichenden Schutz zu achten. Die Weltgesundheitsorganisation rät zu Schutz ab einem UV-Index von 3. Der Index steht im Internet beim Deutschen Wetterdienst und beim Bundesamt für Strahlenschutz bereit.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie viel Sonne ist zu viel? gesundheitsinformation.de
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie kann man sich vor zu viel Sonne schützen? gesundheitsinformation.de
- Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Vor UV-Strahlung schützen – Hautkrebs vorbeugen. krebsinformationsdienst.de
- World Health Organization. Ultraviolet radiation. who.int
- Wong QYA, Chew FT. Defining skin aging and its risk factors: a systematic review and meta-analysis. Scientific Reports 2021. PubMed Central
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