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Akne bei Erwachsenen: Ursachen, Behandlung, Narben

Akne endet für viele Menschen nicht mit dem zwanzigsten Geburtstag.

Gesundheit11 Min. Lesezeit

Etwa 15 bis 30 von 100 Jugendlichen bekommen eine so starke Akne, dass sich eine Behandlung lohnt. Manche Menschen haben noch mit über 30 Akne. Für sie lohnt sich ein genaues Hinsehen, denn es gibt wirksame Behandlungen.

Akne entsteht an den Talgdrüsen, und sie kann in jedem Alter auftreten. Auslöser sind eine veränderte Hormonlage, bestimmte Medikamente und die Neigung der Haut zu verstopfen. Diese Zusammenhänge bestimmen, welche Behandlung sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hinter Akne bei Erwachsenen können Hormone oder Medikamente stecken. Dann wird die Ursache mitbehandelt.
  • Akne entsteht, wenn die Haut zu viel Fett produziert und die Ausgänge der Talgdrüsen verstopfen. Schmutz und mangelhafte Hygiene spielen dabei keine Rolle.
  • Für eine bestimmte Ernährung liefert die Forschung keinen Beleg. Eine gezielte Diät verspricht keinen besseren Hautzustand.
  • Mittel zum Auftragen wirken, brauchen aber Geduld. Eine deutliche Besserung zeigt sich meist erst nach 6 bis 8 Wochen.
  • Das Narbenrisiko steigt mit der Schwere und der Dauer der Akne. Eine frühe Behandlung senkt dieses Risiko.

Warum Erwachsene noch Akne bekommen

Akne gilt als Pubertätserscheinung, und bei vielen Menschen verschwindet sie mit etwa 20 Jahren von selbst. Manche Menschen haben aber noch mit über 30 Akne. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft weist darauf hin, dass die Krankheit oftmals über die Pubertät hinausgeht und auch in einem späteren Alter beginnen kann.

Die Leitlinie dieser Gesellschaft unterscheidet drei Schweregrade:

  • Komedonische Akne, nur Mitesser: Die Haut zeigt vor allem offene und geschlossene Mitesser. Diese Form gilt als leichte Akne.
  • Akne mit Pickeln und Eiterbläschen: Zu den Mitessern kommen entzündete Knötchen und Eiterbläschen. Diese Form entspricht einer mittelschweren Akne.
  • Schwere Akne mit Knoten: Die Haut bildet tiefe, schmerzhafte Knoten, Abszesse und Zysten. Diese Form hinterlässt am ehesten Narben.

Androgene sind männliche Geschlechtshormone, die der weibliche Körper ebenfalls bildet und in der Pubertät verstärkt produziert. Sie regen die Talgdrüsen an, mehr Hautfett zu produzieren. Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beruht Akne auf einer gesteigerten Produktion dieser Hormone oder auf einer erhöhten Empfindlichkeit der Haut für sie.

Bestimmte Medikamente fördern Akne. Dazu zählen Anabolika zum Muskelaufbau, Kortison und einige Mittel gegen Epilepsie. Wenn eine Erkrankung oder ein Arzneimittel die Akne wahrscheinlich mitverursacht, empfiehlt die britische Leitlinie NICE (NG198), diese Ursache zu behandeln oder an eine Facharztpraxis zu verweisen.

Auch Stress wird in Zusammenhang mit Akne gebracht. Das IQWiG nennt ihn als Faktor, für den es Hinweise aus Untersuchungen gibt. Beim Rauchen bleibt die Lage unklar, so das Institut.

Wie Akne entsteht

Die Haut produziert täglich Talg, ein Fett, das sie geschmeidig hält und schützt. Zuerst bildet sich am Ausgang einer Talgdrüse eine feste Hornschicht. Der Talg kann dann nicht mehr abfließen und sammelt sich in der Drüse. Dieser Pfropfen ist der Mitesser. Wird er entzündet, entsteht daraus der Aknepickel.

Mitesser gibt es in zwei Farben. Offene Mitesser sehen schwarz aus, und diese Färbung entsteht durch den Hautfarbstoff Melanin, der mit dem Sauerstoff der Luft reagiert. Die schwarze Farbe hat nichts mit Schmutz zu tun. Geschlossene Mitesser sehen weißlich aus. Je mehr Talg sich im Mitesser sammelt, desto eher nehmen die Bakterien auf der Haut zu, und desto eher entstehen entzündete Pickel. Betroffen sind vor allem die Stellen mit den meisten Talgdrüsen: das Gesicht, die Brust, der Rücken und die Schultern.

Für die Behandlungsentscheidung teilt die NICE-Leitlinie die Akne nach der Zahl der Pickel ein. Eine leichte bis mittelschwere Akne liegt bei höchstens 34 entzündeten Pickeln und höchstens 2 Knoten. Eine mittelschwere bis schwere Akne liegt bei 35 oder mehr entzündeten Pickeln oder bei 3 oder mehr Knoten.

Was die Ernährung mit Akne zu tun hat

Im Internet kursieren viele Ernährungsempfehlungen für Akne. Die Forschung stützt davon wenig. Die NICE-Leitlinie sagt klar, dass die Belege nicht ausreichen, um eine bestimmte Diät zur Behandlung von Akne zu empfehlen.

Am ehesten diskutieren Fachleute eine Ernährung mit vielen Kohlenhydraten, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen. Dazu gehören sehr zuckerhaltige Lebensmittel, Kartoffeln und Weißbrot. Nach den Angaben des IQWiG bleibt offen, ob das Meiden dieser Lebensmittel die Akne bessert. Ebenso unklar bleibt, ob der Verzicht auf Fleisch, Milch oder Schokolade hilft.

Für pflanzliche Mittel, Homöopathie, Vitaminpräparate, Teebaumöl, Akupunktur, Schröpfen und spezielle Massagen gibt es keinen Beleg, dass sie bei Akne wirken. Eine ausgewogene Ernährung bleibt für die Gesundheit sinnvoll. Sie ersetzt keine Behandlung der Akne.

Hautpflege, die die Poren freihält

Gute Hautpflege kann die Akne mildern und jede Behandlung unterstützen. Der wichtigste Punkt ist der pH-Wert der Haut, also ihr Säuregrad. Die Haut liegt bei 5,5. Normale Seifen liegen bei 8 bis 10 und können sie reizen. Die NICE-Leitlinie rät deshalb zweimal täglich zu einem seifenfreien Reinigungsmittel, das neutral oder leicht sauer ist.

Zur Pflege passen leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen und feuchtigkeitsspendende Gele. Fetthaltige Salben und Öle können die Poren zusätzlich verstopfen. Das gilt auch für Make-up und Abdeckstifte. Verwenden Sie ölfreie Produkte und entfernen Sie das Make-up am Abend.

Übertreiben Sie das Reinigen nicht. Häufiges Waschen trocknet die Haut aus und verstärkt Reizungen. Wird die Haut zu stark bearbeitet und immer neuen Pflegestoffen ausgesetzt, kann sich die Akne nach den Angaben des IQWiG verschlimmern.

Das Ausdrücken von Pickeln schadet mehr, als es nützt. Der Eiter gelangt durch den Druck tiefer in die Haut, und die Entzündung verstärkt sich. Vereinzeltes Ausdrücken führt nicht gleich zu Narben. Wer es dauernd versucht, riskiert bleibende Schäden.

Für eine günstige Wirkung von Sonnenlicht gibt es nach den Angaben des IQWiG keinen Nachweis. Von Sonnenstudios und künstlicher UV-Strahlung wird bei Akne abgeraten, und die Haut gehört auch bei Akne mit Sonnenschutz gepflegt. Beim Rasieren kommt es vor allem auf ein vorsichtiges Vorgehen an. Ob nass oder trocken rasiert wird, ist schlecht untersucht.

Behandlung in Stufen

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Akne. Sie beginnt fast immer mit einem Mittel zum Auftragen und wird bei Bedarf verstärkt.

Stufe 1: Mittel zum Auftragen

Für leichte bis mittelschwere Akne empfiehlt die NICE-Leitlinie eine Kombination aus zwei Wirkstoffen, zum Beispiel einem Vitamin-A-Abkömmling mit Benzoylperoxid. Benzoylperoxid gibt es frei zu kaufen. Das Mittel wirkt gegen Bakterien und lässt abgestorbene Hornhaut schneller abfallen. Höher konzentrierte Präparate wirken nach den Angaben des IQWiG nicht besser und verursachen häufiger Nebenwirkungen.

Die positive Wirkung einer Behandlung wird erst nach 6 bis 8 Wochen deutlich, wie die NICE-Leitlinie festhält. Alle Mittel wirken außerdem nur, wenn Sie sie über Wochen bis Monate anwenden, und zwar auf der ganzen betroffenen Fläche, nicht nur auf den einzelnen Pickel.

Beginnen Sie ein neues Mittel mit einer kleinen Menge und steigern Sie langsam. Rötungen, Brennen und Juckreiz gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen. Bei Reizung reduzieren Sie die Menge oder tragen das Mittel nur an jedem zweiten Tag auf.

Stufe 2: Tabletten und Kombinationen

Bei mittelschwerer oder schwerer Akne oder wenn die äußerliche Behandlung nicht ausreicht, kommen Tabletten hinzu. Dazu zählen Antibiotika, hormonelle Mittel und Isotretinoin. Die NICE-Leitlinie sieht als erste Wahl eine Behandlung über 12 Wochen vor, mit einer Kontrolle nach dieser Zeit. Bleibt der Erfolg aus, wird die Behandlung gewechselt.

Antibiotika senken die Zahl der Bakterien auf der Haut und wirken gegen die Entzündung. Sie wirken nach den Angaben des IQWiG nur in Kombination mit einem anderen wirksamen Mittel wie Benzoylperoxid oder einem Vitamin-A-Abkömmling. Allein angewendet wirken sie bei der nicht entzündlichen Akne nicht. Bei Tabletten warnt die Leitlinie zusätzlich vor resistenten Bakterien: Wiederholt eingesetzte Antibiotika machen die Bakterien unempfindlich.

Salben mit Antibiotika werden mindestens drei Wochen angewendet. Sichtbare Erfolge bringt eine Behandlung oft erst nach 3 bis 6 Monaten. Für die Einnahme empfiehlt die Dermatologische Gesellschaft drei Monate. Nach 12 Wochen wird die Behandlung kontrolliert, länger als 6 Monate läuft ein Antibiotikum nur in Ausnahmefällen. Hat sich die Akne nach 12 Wochen gebessert, aber ist nicht ganz weg, kann das Antibiotikum bis zu 12 weitere Wochen zusammen mit dem Mittel zum Auftragen weiterlaufen.

Stufe 3: Isotretinoin und hormonelle Mittel

Isotretinoin in Tablettenform gehört zu den wirksamsten Mitteln gegen Akne, bringt aber auch die meisten Nebenwirkungen mit. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft empfiehlt es für schwere Akne, wenn die Standardbehandlungen mit Antibiotika und äußerlichen Mitteln nicht anschlagen oder eine starke Narbenbildung zu befürchten ist. Die britische Leitlinie nennt als Voraussetzung ein Alter über 12 Jahren sowie gescheiterte, ausreichend lange Kuren mit Antibiotika und äußerlichen Mitteln.

Isotretinoin verursacht trockene Lippen und Haut, trockene Augen sowie Kopf- und Gelenkschmerzen. Schwangere und Stillende dürfen es nicht einnehmen. Nach Angaben des IQWiG muss nach dem Ende der Therapie noch mindestens vier Wochen verhütet werden. Bei einem Teil der Betroffenen kehrt die Akne nach der Behandlung zurück.

Hormonelle Mittel wirken über den Eingriff in den Hormonhaushalt. Das IQWiG sieht sie als Option, wenn Androgene zu stark wirken oder die Haut zu empfindlich darauf reagiert. In Deutschland sind für Frauen drei Kombinationen aus Östrogen und Gestagen zur Behandlung von Akne zugelassen. Bei Männern spielt dieser Weg keine Rolle.

Lichtbehandlungen ergänzen Medikamente höchstens. Für eine Photodynamische Therapie, also Licht zusammen mit einem Wirkstoff, der die Lichtempfindlichkeit auslöst, nennt die NICE-Leitlinie ein Mindestalter von 18 Jahren. Von einer Behandlung mit UV-Licht rät das IQWiG wegen der Risiken für die Haut ab.

Narben vorbeugen

Narben entstehen, wenn die Wunden in den unteren Hautschichten schlecht abheilen. Bei leichter Akne bleiben oft kleine flache Stellen zurück. Bei schwerer Akne entstehen Vertiefungen, die wie Grübchen aussehen, oder erhabene Narben an Brust, Rücken und Schulter. Seltener wachsen Narben über das entzündete Gebiet hinaus.

Das Risiko für Narben steigt mit dem Schweregrad und der Dauer der Akne, so die NICE-Leitlinie. Eine früh begonnene Behandlung senkt damit auch das Narbenrisiko.

Nach Angaben des IQWiG bleiben bei manchen Menschen rote Flecken zurück, bei dunkler Haut auch bräunliche. Häufiges Ausdrücken von Mitessern und Eiterbläschen macht Narben wahrscheinlicher. In medizinischen Kosmetikstudios oder Hautarztpraxen können Fachkräfte die Pickel unter hygienischen Bedingungen öffnen, und bei schwerer Akne bezahlt die gesetzliche Krankenkasse diese Behandlung unter Umständen.

Bleiben starke Narben ein Jahr nach dem Abklingen der Akne zurück, verweist die NICE-Leitlinie an eine Facharztpraxis mit Erfahrung in der Narbenbehandlung. Dort können ein Laser oder ein chemisches Peeling erwogen werden. Narben können ein Leben lang bleiben, betont die Deutsche Dermatologische Gesellschaft.

Wann Sie in die Praxis gehen sollten

Gehen Sie zum Hausarzt oder zur Hautärztin, wenn die Akne Ihre Stimmung belastet, sich ausbreitet oder die erste Behandlung nach 12 Wochen nicht geholfen hat. Die NICE-Leitlinie sieht eine Überweisung an eine Facharztpraxis auch dann vor, wenn die Akne Narben hinterlässt, wenn dauerhafte Farbveränderungen der Haut bleiben oder wenn die Belastung psychisch stark wird.

Akne kann auch rasch und schwer verlaufen. Bei plötzlich auftretenden, sehr schmerzhaften Knoten mit Fieber und Krankheitsgefühl gehen Sie noch am selben Tag in eine Arztpraxis; die Leitlinie sieht dann eine dringende Überweisung in die Hautklinik vor.

Häufig gestellte Fragen

Warum entsteht Akne auch bei Erwachsenen?

Meist liegt eine gesteigerte Produktion der männlichen Geschlechtshormone oder eine erhöhte Empfindlichkeit der Haut für diese Hormone vor. Auch Medikamente können Akne fördern, und die NICE-Leitlinie empfiehlt dann, die Ursache zu behandeln.

Hilft es, Schokolade, Milch oder Fleisch zu meiden?

Belege dafür fehlen. Die NICE-Leitlinie stellt fest, dass die vorhandenen Studien nicht ausreichen, um eine bestimmte Diät gegen Akne zu empfehlen. Am ehesten wird eine Ernährung mit vielen schnell wirkenden Kohlenhydraten diskutiert. Ob das Meiden dieser Lebensmittel die Akne bessert, ist offen.

Wie lange dauert es, bis eine Behandlung wirkt?

Nach den Angaben des IQWiG müssen die meisten Mittel über Wochen bis Monate angewendet werden, bis sich etwas ändert. Die NICE-Leitlinie rechnet damit, dass die positive Wirkung nach 6 bis 8 Wochen deutlich wird. Manche Behandlungen dauern Monate, bei hartnäckiger Akne auch Jahre.

Warum werden Antibiotika nur kurz empfohlen?

Bakterien können gegen ein Antibiotikum unempfindlich werden. Dann wirkt es nicht mehr, und die Entzündung kehrt zurück. Die NICE-Leitlinie begrenzt die Einnahme deshalb auf höchstens 6 Monate, Ausnahmen ausgenommen, prüft alle drei Monate und beendet das Antibiotikum so bald wie möglich. Zu einem Antibiotikum gehört immer ein Mittel zum Auftragen.

Was ist bei plötzlich vielen, sehr schmerzhaften Knoten zu tun?

Eine rasch einsetzende, schwere Akne mit Fieber und starkem Krankheitsgefühl braucht eine schnelle Abklärung. Gehen Sie noch am selben Tag in eine Arztpraxis. Die Leitlinie sieht dann eine dringende Überweisung in die Hautklinik vor.

Quellen

  1. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Acne vulgaris: management. Empfehlungen, NICE guideline NG198.
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Akne, gesundheitsinformation.de.
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Akne: Helfen Salben, Tabletten oder Lichtbehandlung?, gesundheitsinformation.de.
  4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Hautpflege bei Akne, gesundheitsinformation.de.
  5. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Aktualisierte Leitlinie: Akne-Behandlung wird stärker standardisiert und zugleich individueller, Pressemitteilung zur S2k-Leitlinie Therapie der Akne, Version 3.0.
  6. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Therapie der Akne, Registernummer 013-017, Version 3.0, gültig bis 31.07.2031, AWMF-Leitlinienregister.