Etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen in Europa haben zu wenig Eisen im Körper. Eine Blutuntersuchung schafft Klarheit. Sie zeigt, ob die Eisenspeicher gefüllt sind und ob eine Behandlung sinnvoll wäre.
Der Körper kann Eisen nicht selbst bilden. Er braucht es für den roten Blutfarbstoff der roten Blutkörperchen, für die Energiegewinnung und für die Zellteilung. Etwa 3 bis 5 Gramm Eisen lagern in einem erwachsenen Körper, das meiste davon in den roten Blutkörperchen. Fehlt das Eisen über längere Zeit, kann daraus eine Blutarmut entstehen. Die Organe bekommen dann zu wenig Sauerstoff.
Das Wichtigste in Kürze
- Eisenmangel ist die häufigste Mangelerscheinung weltweit. Frauen vor den Wechseljahren sind häufiger betroffen als Männer.
- Die Eisenspeicher leeren sich zuerst. Der Hämoglobinwert bleibt dabei oft noch normal, deshalb sagt erst der Ferritinwert etwas über den Mangel aus.
- Blutverlust, hoher Bedarf in Schwangerschaft und Stillzeit, vegetarische Ernährung und schwerere Erkrankungen sind die häufigsten Auslöser.
- Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme. Tee, Kaffee und Milch bremsen sie.
- Eisenpräparate gehören in die Hand von Ärztinnen und Ärzten. Ohne Messung bringen sie keinen Vorteil, in zu hoher Dosis schaden sie.
Wofür der Körper Eisen braucht
Etwa 3 bis 5 Gramm Eisen befinden sich im Körper eines Erwachsenen. Etwa 75 Prozent davon werden für den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebraucht. Hämoglobin sitzt in den roten Blutkörperchen, bindet den Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft und bringt ihn zu jedem Organ. Ein kleiner Teil des Eisens bindet sich an ein Eiweiß namens Transferrin. Dieses Eiweiß transportiert das Eisen durch die Blutbahn zu den Zellen, die es gerade brauchen. Der Rest lagert in Leber, Milz und Knochenmark.
Freies Eisen wäre für den Körper giftig. Deshalb bindet der Körper es an Eiweiße, etwa an Transferrin und an Ferritin. Fehlt die Zufuhr mit der Nahrung, greift der Körper zuerst auf die Speicher in Leber und Milz zurück und bildet roten Blutfarbstoff daraus. Erst wenn diese Speicher leer sind, leidet die Blutbildung. Neben dem Sauerstofftransport braucht der Körper Eisen auch für die Energiegewinnung und für die Zellteilung. Wird beides knapp, macht sich das als Erschöpfung und Leistungsschwäche bemerkbar.
Wer häufig betroffen ist
In Europa sind etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen von einem Eisenmangel betroffen, Frauen vor den Wechseljahren häufiger als Männer. Etwa 2 bis 5 Prozent der Menschen in Europa haben eine Blutarmut, die auf Eisenmangel zurückgeht. Bei vielen Betroffenen liegt eine dieser fünf Ursachen vor:
- Blutverlust: Häufige Auslöser sind starke Regelblutungen, Blutungen in Magen oder Darm, Blutspenden, Verletzungen und Operationen.
- Hoher Bedarf: Schwangerschaft und Stillzeit, Wachstumsphasen bei Kindern und Jugendlichen, Leistungssport.
- Wenig Eisen in der Nahrung: sehr einseitige Ernährung, Essstörungen, vegetarische oder vegane Ernährung.
- Schlechtere Aufnahme: Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Entzündung der Magenschleimhaut, Zustand nach einer Magenoperation. Manche Medikamente bremsen die Aufnahme, zum Beispiel Säureblocker für den Magen.
- Krankheiten und Verwertung: Bei Herzschwäche, eingeschränkter Nierenfunktion und Krebserkrankungen nimmt der Körper Eisen auf, kann es aber schlecht für die Blutbildung verwerten. Bei einer anhaltenden Blutarmut wird man anfälliger für Infekte.
Anzeichen eines Eisenmangels
Ein leichter Eisenmangel bleibt meist unbemerkt. Bei einem stärkeren Mangel treten Beschwerden auf, die auch andere Ursachen haben können:
- Erschöpfung: Müdigkeit, ungewohnte Erschöpfung nach Belastung, Kurzatmigkeit, blasse Haut
- Kopf und Konzentration: Kopfschmerzen, Unruhe, Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit
- Mund, Haare und Nägel: eingerissene Haut am Mundwinkel, wiederkehrende Entzündungen der Mundschleimhaut, Haarausfall, brüchige Nägel
- Beine und Schlucken: ein ungewohnter Bewegungsdrang in den Beinen während der Ruhe, Schluckbeschwerden
- Selten: das Bedürfnis, auf Eiswürfeln oder zerstoßenem Eis zu kauen
Drei Stadien
Ein leichter Mangel leert zuerst die Speicher in Leber und Milz. Der Hämoglobinwert liegt dann noch im normalen Bereich, und die meisten Menschen merken nichts. Im zweiten Stadium sind die Speicher leer. Im Blut ist noch genug roter Blutfarbstoff, neue rote Blutkörperchen entstehen aber kaum. Die Beschwerden treten in dieser Phase auf. Im dritten Stadium bildet der Körper so wenig roten Blutfarbstoff, dass eine Blutarmut entsteht. Zellen und Organe werden dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.
Blutwerte richtig lesen
Ärztinnen und Ärzte lesen nie einen Wert allein. Sie beurteilen den Ferritinwert, den Hämoglobinwert, die Größe der roten Blutkörperchen und das Entzündungszeichen CRP gemeinsam. Die Weltgesundheitsorganisation hat eine eigene Empfehlung dazu veröffentlicht, wie sich die Eisenversorgung einer Bevölkerung am besten beurteilen lässt. Sie empfiehlt dafür den Ferritinwert.
Ferritin zeigt den Füllstand der Speicher
Ferritin ist ein Eiweiß, das Eisen bindet und im Körper speichert. Ein kleiner Teil davon zirkuliert im Blut und wird gemessen. Liegt der Wert unterhalb des Bereichs, den das Labor als normal einstuft, kann das auf einen Eisenmangel hinweisen. Als Orientierung nennt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen für Frauen über 18 Jahre 9 bis 140, für Männer über 18 Jahre 18 bis 360 Mikrogramm pro Liter Blut. Jedes Labor arbeitet mit eigenen Referenzbereichen und nennt sie im Befund.
Hämoglobin zeigt den roten Blutfarbstoff
Der Hämoglobinwert gibt an, wie viel roter Blutfarbstoff sich im Blut befindet. Er sinkt beim Eisenmangel meist erst, wenn die Speicher bereits geleert sind. Ein normaler Hämoglobinwert schließt einen Eisenmangel deshalb nicht aus. Ein Mangel kann so lange unbemerkt bleiben, obwohl die Speicher schon fast leer sind.
Entzündungen verfälschen den Ferritinwert
Bei Entzündungen, Infektionen oder Gewebsschädigungen steigt der Ferritinwert an. Dann ist auch das CRP erhöht, ein Entzündungswert im Blut. Auch der Eisenwert schwankt stark über den Tag. Von einem einzelnen Laborwert lässt sich deshalb selten auf eine Krankheit schließen. Das Bild ergibt sich erst aus mehreren Werten, den Beschwerden und der Untersuchung. Auch gesunde Menschen haben manchmal Werte außerhalb des Referenzbereichs.
Eisen aus Lebensmitteln
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 11 Milligramm Eisen pro Tag für Männer. Für Frauen vor den Wechseljahren sind es 16 Milligramm, für Frauen nach den Wechseljahren 14 Milligramm. Schwangere sollen 27 Milligramm aufnehmen, Stillende 16 Milligramm. Frauen vor den Wechseljahren brauchen mehr, weil sie bei der Regelblutung mit dem Blut Eisen verlieren.
Eisen aus tierischen Lebensmitteln kann der Körper besser verwerten als Eisen aus pflanzlichen. Diese Portionen enthalten viel Eisen:
- Rindfleisch, gegart: 150 g mit 4,9 Milligramm Eisen
- Spinat, gedünstet: 150 g mit 4,6 Milligramm Eisen
- Cashewkerne: 60 g mit 3,8 Milligramm Eisen
- Kichererbsen aus der Konserve: 150 g mit 3,3 Milligramm Eisen
- Tofu: 100 g mit 2,8 Milligramm Eisen
- Haferflocken: 60 g mit 2,7 Milligramm Eisen
Was die Aufnahme verbessert
Vitamin C verbessert die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Orangen, Orangensaft, Broccoli und rote Paprika liefern es. Fleisch, Fisch und Geflügel fördern die Eisenaufnahme ebenfalls. Wer sich pflanzlich ernährt, sollte daher eine Eisenquelle mit einer Beilage kombinieren, die Vitamin C liefert.
Was die Aufnahme bremst
Viele Lebensmittel enthalten Stoffe, die Eisen im Darm binden. Dazu gehören Schwarztee, Grüntee, Kaffee, Kakao, Cola, Milch und Milchprodukte, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Spinat, Rote Bete, Rhabarber und Schmelzkäse. Die Aufnahme sinkt dadurch. Zu einer eisenreichen Mahlzeit gehören diese Getränke und Lebensmittel deshalb nicht.
Eisenpräparate nur nach Messung
Eine Behandlung mit Eisenpräparaten beginnt mit einer Blutuntersuchung. Ein leichter Mangel wird in der Regel nicht mit Medikamenten behandelt, eine eisenreichere Ernährung reicht oft aus. Bei einem stärkeren Mangel und bei einer Blutarmut kommen Tabletten, Tropfen oder Kapseln infrage. Fachleute empfehlen, zuerst die Ursache zu behandeln. Blutungen in Magen oder Darm, eine starke Regelblutung oder eine Darmentzündung gehören behandelt, sonst kehrt der Mangel zurück.
Von einer vorbeugenden Einnahme raten Fachleute ab. Für Menschen mit normalen Blutwerten hat sie keine gesundheitlichen Vorteile. Zu viel Eisen kann schaden. Sehr hohe Dosen können Organe beschädigen.
Eisenpräparate lösen häufig Beschwerden wie Magenschmerzen, Verstopfung, Übelkeit oder Sodbrennen aus. Der Stuhl färbt sich dabei dunkel, das ist unbedenklich. Wer die Mittel schlecht verträgt, spricht mit der Ärztin oder dem Arzt darüber. Sie oder er kann zum Beispiel eine andere Einnahmezeit, eine seltenere Einnahme oder ein anderes Präparat vorschlagen.
Wer ein Präparat nimmt, sollte es mit Wasser oder einem Glas Fruchtsaft einnehmen und nicht mit Kaffee, Tee oder Milch. Orangensaft bringt das Vitamin C mit, das die Aufnahme verbessert. Medikamente wie Säureblocker für den Magen, Schmerzmittel wie Ibuprofen sowie Präparate mit Kalzium oder Magnesium bremsen die Eisenaufnahme. Bewahren Sie Eisenpräparate kindersicher auf. Für Kleinkinder kann eine Überdosis lebensgefährlich werden.
Bei sehr starkem Mangel oder wenn Tabletten nicht vertragen werden, kommt eine Infusion infrage, bei der das Eisen direkt ins Blut gegeben wird. Infusionen schonen Magen und Darm. Weil dabei selten allergische Reaktionen auftreten können, überwacht die Praxis Sie danach noch mindestens 30 Minuten.
Wann Sie zum Arzt gehen sollten
Wenn Müdigkeit, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme über Wochen anhalten, ist ein Termin in der Hausarztpraxis der richtige Schritt. Die Blutuntersuchung zeigt den Ferritinwert, den Hämoglobinwert und die Werte des kleinen Blutbilds. Sie prüft auch andere Formen von Blutarmut, etwa einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure.
Danach fragt die Ärztin oder der Arzt nach den möglichen Ursachen und untersucht Sie. Je nach Befund folgen weitere Untersuchungen, etwa eine Stuhlprobe oder eine Magen- und Darmspiegelung, um nach Blutungen zu suchen. Bei starken Regelblutungen kann ein Besuch in einer frauenärztlichen Praxis sinnvoll sein.
Häufig gestellte Fragen
Bin ich müde, weil mir Eisen fehlt?
Müdigkeit hat viele Ursachen. Der Ferritinwert zeigt, ob Ihre Eisenspeicher gefüllt sind, der Hämoglobinwert, ob Ihr Blut genug roten Blutfarbstoff transportiert. Bleibt der Hämoglobinwert normal und sind die Speicher leer, kann trotzdem ein Mangel vorliegen. Die Blutuntersuchung klärt das und prüft gleich mit, ob eine andere Form von Blutarmut dahintersteckt.
Wie lange muss ich Eisenpräparate nehmen?
Die Blutwerte normalisieren sich vor den Eisenspeichern. Deshalb endet die Behandlung nicht mit dem guten Hämoglobinwert. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen empfiehlt, bei einer Blutarmut noch mindestens drei Monate nach der Normalisierung weiterzunehmen, damit sich die Speicher füllen. Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt für die Behandlung insgesamt etwa sechs Monate.
Ich ernähre mich vegetarisch. Brauche ich automatisch ein Präparat?
Mit pflanzlicher Kost erreichen Sie den Bedarf, Sie müssen ihn aber bewusst decken. Rechnen Sie die Eisenquellen eines Tages zusammen und kombinieren Sie sie mit Vitamin C. Reicht die Nahrung nicht aus oder sind Sie unsicher, messen Sie den Ferritinwert. Ein Präparat auf Verdacht bleibt die schlechtere Wahl, weil zu viel Eisen schaden kann.
Was bremst die Eisenaufnahme beim Essen?
Tee, Kaffee und Milchprodukte bremsen die Aufnahme. Sie wirken nicht giftig, sie binden das Eisen im Darm. Wenn Sie gezielt Eisen aufnehmen wollen, verschieben Sie diese Getränke auf eine andere Tageszeit und setzen ein Glas Orangensaft dazu.
Was passiert, wenn ich zu viel Eisen nehme?
Sehr hohe Dosen können Organe beschädigen. Zu viel Eisen kann schaden. Dazu kommt die Gefahr für Kinder. Eine Überdosis kann für Kleinkinder lebensgefährlich werden. Bewahren Sie Eisenpräparate kindersicher auf. Ohne Diagnose sollten Sie keines einnehmen.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Eisenmangel und Eisenmangel-Anämie. gesundheitsinformation.de, erstellt am 19. April 2023. https://www.gesundheitsinformation.de/eisenmangel-und-eisenmangel-anaemie.html
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Wie lässt sich ein Eisenmangel behandeln? gesundheitsinformation.de, erstellt am 19. April 2023. https://www.gesundheitsinformation.de/wie-laesst-sich-ein-eisenmangel-behandeln.html
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Wie kann ich meinen Eisenbedarf decken? gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 19. April 2023. https://www.gesundheitsinformation.de/wie-kann-ich-meinen-eisenbedarf-decken.html
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Ferritin. gesundheitsinformation.de, Laborwerte, aktualisiert am 20. März 2025. https://www.gesundheitsinformation.de/ferritin.html
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Eisen. gesundheitsinformation.de, Laborwerte, aktualisiert am 20. März 2025. https://www.gesundheitsinformation.de/eisen.html
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Eisen, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Stand der Ableitung 2023. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/eisen/
- World Health Organization (WHO): WHO guideline on use of ferritin concentrations to assess iron status in individuals and populations, 21. April 2020. https://www.who.int/publications/i/item/9789240000124
- NHS: Iron deficiency anaemia, zuletzt geprüft am 26. Januar 2024. https://www.nhs.uk/conditions/iron-deficiency-anaemia/



