Bei 1 von 10 Frauen sind die Beschwerden so stark, dass sie jeden Monat für 1 bis 3 Tage den normalen Alltag nicht bewältigen können. Wärme, Bewegung und Schmerzmittel bringen spürbare Erleichterung, und in manchen Fällen steckt eine Erkrankung hinter den Schmerzen, die sich behandeln lässt.
Medizinerinnen und Mediziner nennen schmerzhafte Regelblutungen Dysmenorrhoe. Sie unterscheiden zwei Formen, und diese Unterscheidung bestimmt den weiteren Weg. Bei der primären Dysmenorrhoe steht das Zusammenziehen der Gebärmutter im Vordergrund. Bei der sekundären Dysmenorrhoe liegt fast immer eine Erkrankung zugrunde, etwa eine Endometriose.
Das Wichtigste in Kürze
- Regelschmerzen entstehen durch das Zusammenziehen der Gebärmutter. Botenstoffe namens Prostaglandine treiben diesen Vorgang an.
- Bei 1 von 10 Frauen sind die Schmerzen so stark, dass sie für 1 bis 3 Tage den Alltag nicht schaffen.
- Wärme und Bewegung helfen vielen Frauen. Wärmepflaster, Wärmegürtel, ein warmes Bad und leichte Bewegung lindern die Krämpfe.
- Entzündungshemmende Schmerzmittel wirken deutlich stärker als ein Scheinmedikament. Ohne sie hatten 82 von 100 Frauen nach einigen Stunden noch starke Schmerzen, mit ihnen 51 von 100.
- Stärker werdende Schmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Schmerzen zwischen zwei Perioden gehören in die frauenärztliche Praxis.
Warum Regelschmerzen entstehen
In jedem Monatszyklus verdickt sich die Gebärmutterschleimhaut, damit sie eine befruchtete Eizelle aufnehmen kann. Nistet sich keine befruchtete Eizelle ein, stößt der Körper die oberste Schleimhautschicht ab. Diese Blutung ist die Regelblutung.
Während der Menstruation ziehen sich die Muskeln der Gebärmutter in unregelmäßigen Abständen zusammen und entspannen sich wieder. Dieses Zusammenziehen löst den Schmerz aus. Manche Frauen spüren es als leichtes Ziehen, andere als schmerzhafte Krämpfe. Eine wichtige Rolle spielen hormonähnliche Botenstoffe, die Prostaglandine. Sie steuern die Bewegungen der Gebärmuttermuskulatur. Bei primären Regelschmerzen bildet der Körper vermutlich zu viel davon oder reagiert besonders empfindlich auf sie.
Die Schmerzen können in den Rücken und in die Beine ausstrahlen. Einige Frauen bekommen zusätzlich Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, andere Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Frauen mit starker Blutung haben oft auch stärkere Regelschmerzen. Bei Frauen unter 20 Jahren fällt der Schmerz meist stärker aus als bei älteren Frauen. Viele Frauen haben nach der Geburt ihres ersten Kindes weniger Beschwerden.
Primäre und sekundäre Dysmenorrhoe
Primäre Regelschmerzen entstehen allein durch das Zusammenziehen der Gebärmutter. Sie kommen häufiger bei Frauen unter 30 Jahren vor und bei Frauen mit starken Regelblutungen. Eine Veranlagung in der Familie und Stress können ebenfalls eine Rolle spielen.
Sekundäre Regelschmerzen entstehen durch eine Erkrankung im kleinen Becken. Auslöser sind gutartige Geschwulste der Gebärmutter, sogenannte Myome, oder Polypen. Sehr starke Schmerzen können auch auf eine Endometriose hinweisen. Manche Frauen entwickeln sekundäre Regelschmerzen auch durch eine Kupferspirale. Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt für die Kupferspirale die ersten 3 bis 6 Monate nach dem Einsetzen als die Zeit, in der Schmerzen besonders häufig auftreten.
Der Unterschied hat praktische Folgen. Primäre Regelschmerzen begleiten viele Frauen seit dem ersten Zyklus. Sekundäre Regelschmerzen kommen oft erst, seit eine Frau einige Jahre menstruiert. Sie können auch außerhalb der Regelblutung auftreten. Wenn Sie eine dieser Veränderungen bei sich bemerken, lassen Sie das ärztlich abklären.
Regelschmerzen halten meist bis zu 3 Tage an. Wenn Sie deswegen jeden Monat Tage zu Hause bleiben, lassen Sie das ärztlich abklären.
Was hilft: Wärme und Bewegung
Wärme erleben viele Frauen als erste Erleichterung. Für Wärmepflaster und Wärmegürtel gibt es Hinweise aus Studien, dass sie Schmerzen während der Menstruation lindern können. Warme Bäder, Wärmflaschen und Saunagänge empfinden viele Frauen als wohltuend. Der NHS nennt zusätzlich eine Massage von Bauch und Rücken.
Bewegung ist die zweite Säule. Eine Cochrane-Übersicht zu Bewegung bei Regelschmerzen fasste 12 Studien mit 854 Frauen zusammen. Die meisten Studien ließen die Frauen mindestens dreimal pro Woche etwa 45 bis 60 Minuten trainieren. Untersucht wurden leichte Bewegung wie Yoga und intensive wie Aerobic. Bewegung senkte den Schmerz um rund 25 Millimeter auf einer Skala von 100 Millimetern. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was Forschende als spürbare Linderung ansehen.
An der Qualität dieser Daten fehlt es. Die Cochrane-Autoren stufen sie als niedrig bis sehr niedrig ein. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen formuliert vorsichtiger und spricht nur von Hinweisen darauf, dass körperliche Aktivitäten wie Joggen, Yoga und Gymnastik helfen könnten. Bewegung lohnt einen Versuch. Ob kürzere oder seltenere Einheiten genauso helfen, bleibt unklar.
Für Akupunktur, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate formuliert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen deutlich: Für eine Wirksamkeit dieser Behandlungen bei Regelschmerzen gibt es keine Belege. Laut NHS können weniger Alkohol und der Verzicht aufs Rauchen die Beschwerden ebenfalls lindern.
Schmerzmittel aus der Apotheke
Am besten untersucht sind die entzündungshemmenden Schmerzmittel, kurz NSAR genannt. Dazu gehören Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac. Sie hemmen die Bildung der Prostaglandine und greifen damit genau dort an, wo der Schmerz entsteht. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat dazu eine Cochrane-Übersicht ausgewertet. Sie umfasste 80 aussagekräftige Studien mit mehr als 5800 Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis 47 Jahren.
Das Ergebnis ist deutlich. Ohne NSAR hatten 82 von 100 Mädchen und Frauen nach einigen Stunden noch starke Schmerzen. Mit NSAR hatten 51 von 100 nach einigen Stunden noch starke Schmerzen. Die Cochrane-Übersicht selbst beziffert den Unterschied so: Eine mittlere oder gute Schmerzlinderung erreichten 18 von 100 Frauen mit einem Scheinmedikament. Mit NSAR erreichen sie zwischen 45 und 53 von 100 Frauen.
Die Cochrane-Übersicht nennt auch die Kehrseite. Beschwerden wie Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Müdigkeit treten mit NSAR häufiger auf als mit einem Scheinmedikament. Erlebten in der Scheinmittelgruppe 10 von 100 Frauen solche Beschwerden, waren es unter NSAR zwischen 11 und 14 von 100. Welches Mittel für Sie passt und welche Menge richtig ist, besprechen Sie in der Apotheke oder mit Ihrer Ärztin.
Der NHS nennt Paracetamol und Ibuprofen. Nach der Cochrane-Übersicht lindern NSAR Regelschmerzen etwas besser als Paracetamol. Paracetamol bleibt eine Option, wenn Sie NSAR nicht vertragen.
Wie lange Sie ein Schmerzmittel einnehmen, hängt davon ab, was behandelt wird. Gegen primäre Regelschmerzen wirken diese Mittel nur, solange sie eingenommen werden. Bei Schmerzen durch eine Endometriose empfiehlt die NICE-Leitlinie eine kurze Erprobungsphase, zum Beispiel über 3 Monate, und danach eine erneute Bewertung.
Hormonelle Verhütung als Option
Bei starken Beschwerden kommt eine hormonelle Verhütung in Betracht. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt die Antibabypille und die Hormonspirale. Der Mechanismus ist einfach: Die Gebärmutterschleimhaut baut sich unter dem Einfluss der Hormone nicht in normaler Dicke auf. Die Blutungen werden meist schwächer und kürzer als die natürliche Regelblutung, manchmal bleiben sie ganz aus.
Für die Pille liegen die Zahlen vor. Eine Cochrane-Übersicht wertete 21 Studien mit 3723 Frauen aus. Eine Frau, die mit einem Scheinmedikament eine 28-prozentige Chance auf Besserung hatte, hat mit der Pille eine Chance zwischen 37 und 60 Prozent. Die Qualität dieser Daten ist niedrig. Bei Frauen ohne Pille erlebten 59 von 100 Frauen Nebenwirkungen, bei Frauen mit Pille zwischen 71 und 86 von 100. Kopfschmerzen traten bei 17 von 100 Frauen ohne Pille auf, mit Pille bei 19 bis 35 von 100. Übelkeit betraf 10 von 100 Frauen ohne Pille und 11 bis 22 von 100 mit Pille. Blutungsstörungen nehmen unter der Pille deutlich zu, von 18 von 100 Frauen auf 39 bis 60 von 100.
Diese Zahlen gelten für die kombinierte Pille, nicht für die Hormonspirale.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen weist darauf hin, dass hormonelle Verhütungsmittel Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen können und einige davon das Risiko für Blutgerinnsel erhöhen. Welches Mittel für Sie infrage kommt, klärt die Frauenärztin oder der Frauenarzt.
Endometriose als mögliche Ursache
Bei einer Endometriose findet sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, in der Gebärmutterwand oder an anderen Stellen im Bauchraum. Diese Gewebeinseln heißen Endometriose-Herde. Sie wachsen und werden in jedem Zyklus wieder abgestoßen, und das abgestoßene Gewebe bleibt in der Umgebung liegen, wo es Entzündungen und Verwachsungen zwischen den Organen auslösen kann. Die Endometriose zählt zu den häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen.
Wie viele Frauen betroffen sind, lässt sich schwer sagen. Laut Studien haben bis zu 10 Prozent aller Frauen im fruchtbaren Alter eine Endometriose, verlässliche Zahlen gibt es aber nicht. Viele Frauen haben stille Herde, die sie nicht spüren. Bei Frauen mit chronischen Unterbauchschmerzen geht man davon aus, dass etwa 50 von 100 eine Endometriose haben.
Nicht immer sind die Schmerzen auf die Periode beschränkt. Die NICE-Leitlinie nennt als Warnzeichen außerdem Schmerzen tief im Bauch beim oder nach dem Geschlechtsverkehr, Beschwerden beim Stuhlgang rund um die Periode sowie Beschwerden beim Wasserlassen. Hinzu kommen Probleme, schwanger zu werden. Als chronisch bezeichnet die Leitlinie Schmerzen im kleinen Becken, die 6 Monate oder länger anhalten.
Ein Bluttest auf den Wert CA125 eignet sich laut NICE-Leitlinie nicht für die Diagnose. Ein Ultraschall von innen wird bei jedem Verdacht empfohlen, auch wenn die Untersuchung von Bauch und Becken unauffällig war. Ein unauffälliger Ultraschall schließt eine Endometriose nicht aus. Die Leitlinie empfiehlt außerdem, ein Schmerz- und Symptomtagebuch zu führen. Es hilft, die Beschwerden für das Gespräch in der Praxis zu ordnen.
Gegen eine Endometriose gibt es mehrere Wege. Gegen die Schmerzen wirken Schmerzmittel und hormonelle Therapien, dazu kommen Operationen. Medikamente wirken allerdings nur, solange sie eingenommen werden. Nach den Wechseljahren verschwinden die Beschwerden bei den meisten Frauen.
Wann Sie zur Ärztin gehen sollten
Lassen Sie die Beschwerden ärztlich abklären, wenn die Schmerzen sehr stark sind, mit der Zeit immer stärker werden oder Ihren Alltag einschränken. Bei starken oder zunehmenden Schmerzen ist es gut, mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt zu sprechen.
Der NHS fasst die Warnzeichen in einer Liste zusammen, die sich gut abfragen lässt. Suchen Sie eine Praxis auf, wenn Ihre Perioden stärker, heftiger oder unregelmäßiger werden. Der Rat gilt auch bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang, bei Blutungen zwischen den Perioden, bei einem aufgetriebenen Bauch, bei Appetitlosigkeit und bei Gewichtsverlust ohne Absicht.
Eile ist geboten, wenn die Schmerzen stärker als sonst sind und die Schmerzmittel nicht geholfen haben. Dann brauchen Sie eine dringende ärztliche Terminvereinbarung.
Häufig gestellte Fragen
Hilft eine Wärmflasche gegen Regelschmerzen?
Ja, sie gehört zu den ersten Maßnahmen, die Frauen ergreifen. Für Wärmepflaster und Wärmegürtel gibt es Hinweise aus Studien, dass sie die Schmerzen während der Menstruation lindern können. Der NHS empfiehlt außerdem ein warmes Bad und eine Massage von Bauch und Rücken.
Wie oft und wie lange sollte ich mich bewegen?
Die Studien zu Bewegung bei Regelschmerzen ließen die Frauen mindestens dreimal pro Woche etwa 45 bis 60 Minuten aktiv sein. In diesen Studien verteilte sich die Bewegung über den ganzen Monat. Die Cochrane-Forscher konnten nicht klären, ob seltenere oder kürzere Einheiten genauso wirken. Beginnen Sie mit einem Maß, das Sie durchhalten, und steigern Sie erst, wenn es passt.
Was hilft, wenn Schmerzmittel nicht wirken?
Dann sollte die Ursache abgeklärt werden, statt die Menge zu erhöhen. Bei Schmerzen durch eine Endometriose empfiehlt die NICE-Leitlinie eine kurze Erprobungsphase mit einem Schmerzmittel, zum Beispiel über 3 Monate, und danach eine erneute Bewertung. Bleibt die Linderung aus, sprechen Sie erneut mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kann eine Kupferspirale die Schmerzen auslösen?
Ja. Eine Kupferspirale gehört zu den Auslösern für sekundäre Regelschmerzen. Der NHS berichtet, dass Schmerzen besonders in den ersten 3 bis 6 Monaten nach dem Einsetzen auftreten. Eine Hormonspirale wirkt anders, weil sie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut hemmt und die Blutungen meist schwächer und kürzer werden lässt.
Muss ich starke Regelschmerzen aushalten?
Nein. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schreibt, dass starke Schmerzen, die jeden Monat für mehrere Tage das Alltagsleben beeinträchtigen und vielleicht sogar arbeitsunfähig machen, nichts sind, was man als natürlich hinnehmen müsste. Wärme, Bewegung, Schmerzmittel und hormonelle Verhütungsmittel stehen bereit. Die Behandlung muss zu Ihrer Situation passen.
Hilft Ingwertee oder ein pflanzliches Präparat?
Ein Nachweis fehlt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schreibt, dass es für eine Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlichen Präparaten bei Regelschmerzen keine Belege gibt. Wenn Sie ein Präparat nehmen, sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Regelschmerzen. Gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/regelschmerzen.html
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Regelschmerzen: Können entzündungshemmende Schmerzmittel helfen? Gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/regelschmerzen-koennen-entzuendungshemmende-schmerzmittel-helfen.html
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Endometriose. Gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/endometriose.html
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- National Institute for Health and Care Excellence. Endometriosis: diagnosis and management. NICE guideline NG73. https://www.nice.org.uk/guidance/ng73/chapter/Recommendations
- NHS. Period pain. https://www.nhs.uk/symptoms/period-pain/



