Gas bildet sich, sobald Darmbakterien Nahrungsbestandteile abbauen, die der Körper nicht selbst verdauen kann. Dazu kommt Luft, die beim Essen und Trinken mitgeschluckt wird. Beides lässt sich meist gut in den Griff bekommen, wenn Sie die Auslöser kennen.
Blähungsgefühl und Völlegefühl zählen zu den häufigsten Beschwerden der Verdauung. Nach einer Übersichtsarbeit zu Blähung und Bauchdehnung betrifft das Gefühl 30 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Bei Menschen mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden liegt der Anteil bei bis zu 96 Prozent. Meistens stecken einzelne Lebensmittel, Getränke oder Essgewohnheiten dahinter. Manchmal liegt eine Unverträglichkeit vor, manchmal eine Erkrankung, die behandelt werden muss.
Das Wichtigste in Kürze
- Darmgase entstehen durch Bakterien, die unverdauliche Nahrungsbestandteile abbauen, und durch Luft, die beim Essen mitgeschluckt wird.
- Blähungsgefühl betrifft 30 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Häufige Auslöser sind Kohl, Bohnen, Linsen, kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol und Kaffee.
- Ein Ernährungs-Tagebuch macht sichtbar, welches Lebensmittel bei Ihnen die Beschwerden auslöst. Laktoseintoleranz betrifft 5 bis 15 Prozent der Menschen in Europa.
- Fruktose und Sorbit werden im Dünndarm nur teilweise aufgenommen. Sie gelangen in den Dickdarm und vergären dort.
- Blähungsgefühl und messbarer Bauchumfang fallen häufig auseinander. Beschwerden über drei Monate, Blut im Stuhl, Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust sollten Sie ärztlich abklären lassen.
Woher die Gase kommen und was normal ist
Zwei Wege führen Gas in den Darm. Der erste führt von außen: Beim Kauen und Schlucken gelangt Luft in den Magen und weiter in den Verdauungstrakt. Der zweite entsteht im Darm selbst. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beschreibt die Darmflora als eine Gemeinschaft aus Milliarden von Bakterien. Diese Bakterien leben unter anderem von den unverdaulichen Bestandteilen der Nahrung und produzieren dabei Vitamine B und K.
Im Dünndarm zerlegen Enzyme die Nahrung in ihre Einzelteile. Was dabei übrig bleibt, wandert in den Dickdarm. Dort zersetzen Bakterien diese Reste, und dabei entstehen Gase. Bei einer Laktoseintoleranz lässt sich dieser Ablauf genau verfolgen: Bleibt Milchzucker im Dünndarm übrig, gelangt er in den Dickdarm und wird von Darmbakterien vergoren. Dabei entstehen vermehrt Gase wie Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff.
Ein Blähgefühl sagt wenig über die Gasmenge aus. Fachleute, die Blähung und Bauchdehnung gemeinsam untersucht haben, berichten, dass das Gefühl und eine messbare Zunahme des Bauchumfangs auseinanderfallen können. Manche Menschen spüren starkes Völlegefühl bei unverändertem Bauch, andere haben einen größeren Bauchumfang und bemerken wenig davon.
Neben Lebensmitteln können laut NHS auch Verdauungsprobleme als Ursache infrage kommen. Dazu zählen eine Verstopfung, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, eine Zöliakie und das Reizdarmsyndrom.
Wie viel Gas im Darm entsteht, hängt vor allem von der Ernährung ab. Für die Häufigkeit des Abgebens von Gas gibt es deshalb keinen festen Wert, der für alle Menschen gilt. Der Maßstab ist Ihr eigenes Befinden.
Lebensmittel und Getränke, die Blähungen fördern
Die britische Gesundheitsbehörde NHS nennt eine ganze Reihe von Lebensmitteln und Getränken, die Gas im Darm fördern. Dazu gehören Kohl, Bohnen und Linsen. Kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol sowie das Koffein in Kaffee und Tee gelten ebenfalls als Auslöser. Hinzu kommen verarbeitete, zuckerhaltige, scharfe und fettreiche Speisen.
- Kohl, Bohnen und Linsen: Diese Lebensmittel enthalten Kohlenhydrate, die im Dickdarm vergoren werden.
- Getränke: kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol sowie Kaffee und Tee mit Koffein.
- Verarbeitete Speisen: zuckerhaltige, scharfe und fettreiche Gerichte.
- Große Portionen: Sie belasten die Verdauung stärker als mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt.
Eine Gruppe von Kohlenhydraten steht in der Fachwelt unter dem Begriff FODMAP. Gemeint sind fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole. Diese Stoffe vergären im Darm schnell und liefern entsprechend viel Gas. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen empfiehlt bei Reizdarm, gezielt zu prüfen, ob einzelne Lebensmittel die Beschwerden verstärken, und sie testweise wegzulassen.
Luftschlucken und Essgewohnheiten
Ein Teil der Blähungen entsteht durch Luft, die von außen in den Darm kommt. Die NHS empfiehlt, mit geschlossenem Mund zu kauen, um das Schlucken von Luft zu vermeiden. Sie rät außerdem, spät am Abend vor dem Schlafen keine große Mahlzeit mehr zu essen und beim Essen nicht gekrümmt zu sitzen.
- Beim Essen mit geschlossenem Mund kauen, damit weniger Luft in den Magen gerät.
- Mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilen statt einer großen Portion.
- Spätes Essen vor dem Schlafen und eine gekrümmte Haltung beim Essen vermeiden.
- Ausreichend Wasser trinken.
- Den Bauch von rechts nach links massieren, um eingeschlossenes Gas freizusetzen.
- Regelmäßig Sport treiben, der die Verdauung anregt.
Viele Beschwerden treten direkt nach dem Essen auf. Fachleute in der Fachzeitschrift „Gut“ behandeln solche nach dem Essen auftretenden Beschwerden als eigenes Muster bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen. Sie betrachten dort mehrere Erklärungswege nebeneinander: eine Immunreaktion auf Nahrungsbestandteile, die Vergärung von Kohlenhydraten mit Gasentwicklung, Reaktionen auf einzelne Lebensmittelinhaltsstoffe sowie Erwartungen, die Beschwerden verstärken. Ein Muster nach dem Essen kann also verschiedene Ursachen haben.
Unverträglichkeiten von Milchzucker und Fruktose
Eine Laktoseintoleranz bedeutet, dass der Körper den Milchzucker nur in kleinen Mengen verträgt. Dafür verantwortlich ist das Enzym Laktase, das den Milchzucker im Dünndarm aufspaltet. Nimmt ein Mensch mehr Milchzucker auf, als Laktase spalten kann, bleibt ein Rest im Dünndarm. Dieser Rest wandert in den Dickdarm und vergärt dort. Die Folge sind Gase, Blähungen und häufig auch Durchfall.
Der Zeitverlauf hilft bei der Einordnung. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beschreibt, dass Beschwerden frühestens eine halbe Stunde nach dem Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln auftreten. Am stärksten fallen sie nach etwa 1,5 bis 2 Stunden aus, und sie können mehrere Stunden andauern.
Wie verbreitet ist eine Laktoseintoleranz? Etwa 5 bis 15 Prozent der Menschen aus Europa vertragen keinen Milchzucker. In Afrika oder Ostasien sind dagegen 65 bis über 90 Prozent der Erwachsenen betroffen. Eine Laktoseintoleranz ist keine Allergie. Bei einer Milchallergie reagiert der Körper schon auf geringste Mengen, bei einer Laktoseintoleranz verträgt der Mensch bestimmte Mengen ohne Beschwerden.
Ein vollständiger Verzicht auf Milchprodukte ist meist nicht nötig. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt Mengen, die Menschen mit einer Laktoseintoleranz normalerweise gut vertragen, besonders wenn sie zusammen mit einer Mahlzeit oder anderen Lebensmitteln aufgenommen werden: bis zu 12 Gramm Laktose auf einmal, etwa 250 Milliliter Milch, sowie bis zu 24 Gramm Laktose über den Tag verteilt, etwa 500 Milliliter Milch. Gereifte Käsesorten wie Parmesan enthalten kaum Milchzucker. Wer seine Ernährung grundlegend umstellen möchte, sollte vorher eine gesicherte Diagnose einholen. Das Standardverfahren in Deutschland ist ein Atemtest.
Bei Fruktose und Sorbit liegt der Fall ähnlich. Diese Zucker werden im Dünndarm nur unvollständig aufgenommen und gelangen in den Dickdarm. Eine Übersichtsarbeit zur Fruktose- und Sorbitverträglichkeit beschreibt, dass solche Fehlresorptionen bei Menschen mit funktionellen Darmbeschwerden zu Beschwerden führen können, die von einer Reizdarmsymptomatik kaum zu unterscheiden sind.
Was hilft
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit zu körperlicher Aktivität untersuchte 11 randomisierte Studien mit 622 Menschen mit Reizdarm. Die Interventionen dauerten je nach Studie sechs bis 24 Wochen. In fünf Studien besserten sich die berichteten Beschwerden unter körperlicher Aktivität. Die Fachleute bewerteten die Verlässlichkeit dieser Ergebnisse als sehr gering, weil die Studienzahl klein war und die Durchführung teils Unklarheiten aufwies. Für die Lebensqualität und für Bauchschmerzen fanden sie keinen Unterschied.
Bei Verstopfung empfiehlt die NHS Lebensmittel mit viel löslichen Ballaststoffen, etwa Hafer oder Leinsamen.
Bei der Ernährung zählt Ihr persönlicher Auslöser. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen empfiehlt bei Reizdarm, ein Ernährungs-Tagebuch zu führen. Einige Menschen haben weniger Beschwerden, wenn sie ihre Mahlzeiten in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilen. Was einem Menschen hilft, kann bei einem anderen die Beschwerden verstärken.
Bei Probiotika fällt das Urteil vorsichtig aus. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse wertete 82 Studien mit 10.332 Patientinnen und Patienten mit Reizdarm aus. Für Blähungen und Bauchdehnung fand sie nur sehr geringe Hinweise auf einen Nutzen, und zwar für Kombinationen mehrerer Bakterienstämme und für Stämme aus der Gattung Bacillus. In 55 Studien mit mehr als 7.000 Teilnehmenden traten unerwünschte Wirkungen unter Probiotika nicht häufiger auf als unter der Vergleichsbehandlung.
Bei den übrigen Behandlungsmöglichkeiten ist die Datenlage dünn. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schreibt zum Reizdarm, dass die meisten Behandlungen bisher nicht gut untersucht sind und kein Verfahren die Beschwerden sicher lindert. Welches Mittel für Sie infrage kommt, klären Sie in der Praxis oder in der Apotheke.
Wenn eine Umstellung der Ernährung nichts bringt, sieht die NHS zwei nächste Schritte vor: eine Ernährungsberatung oder eine Untersuchung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt, um die Ursache der Beschwerden zu klären.
Wann eine Abklärung nötig ist
Blähungen, die nach einer Mahlzeit auftreten und danach wieder verschwinden, brauchen in der Regel keine Untersuchung. Anders liegt es bei Beschwerden, die über einen längeren Zeitraum bestehen oder Zeichen einer Erkrankung tragen. Fachleute sprechen von einem Reizdarm, wenn Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen länger als drei Monate anhalten und der Stuhlgang sich verändert. Solche Beschwerden können auch andere Ursachen haben, etwa eine Laktoseintoleranz oder eine Zöliakie. Beide können auch zusammen mit einem Reizdarm vorkommen.
Gehen Sie zu Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn ein Punkt davon auf Sie zutrifft:
- Die Beschwerden treten regelmäßig auf und belasten den Alltag.
- Sie haben Ihre Ernährung umgestellt, die Beschwerden bleiben aber bestehen.
- Sie nehmen ungewollt ab.
- Sie bemerken Blut im Stuhl.
- Sie haben Fieber oder sehen blass aus.
- Sie bemerken eine Schwellung oder eine Verhärtung im Bauch.
Blut im Stuhl sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt als mögliche Ursache eine entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, eine Divertikulitis oder Darmkrebs. Darmkrebs kommt bei Menschen unter 50 jedoch sehr selten vor. Bluttests und eine Darmspiegelung klären die Ursache ab.
Die NHS nennt noch einen weiteren Grund für einen Termin: Wenn die Blähungen nicht weggehen, können sie auf etwas Ernsteres hinweisen, etwa auf Eierstockkrebs. Eierstockkrebs ist selten. Lassen Sie anhaltende Blähungen deshalb ärztlich abklären.
Die NHS unterscheidet außerdem zwischen einer Terminvereinbarung und einer kurzfristigen ärztlichen Beratung. Rasch ärztlich beraten lassen sollten Sie sich, wenn zu den Blähungen Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung hinzukommen, wenn Sie dabei Bauchschmerzen oder hohes Fieber haben, wenn Sie eine Schwellung im Bauch bemerken oder wenn Sie nicht mehr Wasser lassen und weder Stuhl noch Blähungen abgeben können.
Manche Frauen bemerken die Blähungen vor allem um ihre Periode herum. Auch das kann normal sein.
Bei plötzlich starken Bauchschmerzen, blutigem Erbrechen oder schwerer Atemnot rufen Sie sofort den Notruf 112.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich Blähungen mit Bauchmassage lösen?
Das kann helfen. Die britische Gesundheitsbehörde NHS rät, den Bauch von rechts nach links zu massieren, um eingeschlossenes Gas freizusetzen.
Was ist der Unterschied zwischen Blähungen und Flatulenz?
Flatulenz meint das Entweichen von Darmgas. Blähung meint das Gefühl eines aufgetriebenen, gespannten Bauches. Die NHS führt beide Beschwerden getrennt auf: Der Bauch fühlt sich voller oder größer an als sonst, und es entweichen mehr Gase als üblich. Beides kann zusammen auftreten.
Wie viel Milch vertrage ich bei einer Laktoseintoleranz?
Viele Menschen vertragen bis zu 12 Gramm Laktose auf einmal, etwa 250 Milliliter Milch, und bis zu 24 Gramm über den Tag verteilt, etwa 500 Milliliter. Leichter verträglich ist Milch zusammen mit einer Mahlzeit. Ein vollständiger Verzicht ist meist nicht nötig. Lassen Sie die Unverträglichkeit vorher über einen Atemtest abklären, dann wissen Sie, wo Sie stehen.
Helfen Probiotika gegen Blähungen?
Die Datenlage ist dünn. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse wertete 82 Studien mit 10.332 Patientinnen und Patienten mit Reizdarm aus. Für Blähungen und Bauchdehnung fand sie nur sehr geringe Hinweise auf einen Nutzen, und zwar für Kombinationen mehrerer Bakterienstämme und für Stämme aus der Gattung Bacillus.
Kann Bewegung die Blähungen lindern?
Möglicherweise. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit fand 11 randomisierte Studien mit 622 Menschen mit Reizdarm, in denen die Interventionen sechs bis 24 Wochen dauerten. In fünf Studien besserten sich die berichteten Beschwerden unter körperlicher Aktivität. Die Fachleute bewerteten die Verlässlichkeit dieser Ergebnisse allerdings als sehr gering. Die NHS rät unabhängig davon, regelmäßig Sport zu treiben, weil Bewegung die Verdauung anregt.
Wann sollte ich wegen meiner Blähungen zum Arzt gehen?
Regelmäßige Beschwerden, ein ungewollter Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl gehören abgeklärt. Dasselbe gilt bei Fieber, Blässe, einer Schwellung im Bauch oder wenn eine Umstellung der Ernährung nichts gebracht hat. Blut im Stuhl sollte immer ärztlich untersucht werden. Bei plötzlich starken Bauchschmerzen, blutigem Erbrechen oder schwerer Atemnot rufen Sie sofort den Notruf 112.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Reizdarmsyndrom. gesundheitsinformation.de/reizdarmsyndrom
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit). gesundheitsinformation.de/laktoseintoleranz-milchzucker-unvertraeglichkeit
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie funktioniert der Darm? gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-der-darm
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