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Welcher Ruhepuls normal ist und was er über die Gesundheit sagt

Ein Ruhepuls von 60 bis 100 Schlägen pro Minute gilt bei Erwachsenen als normal.

Gesundheit11 Min. Lesezeit

Sie können diese Zahl selbst messen, mit zwei Fingern und einer Uhr. Das macht den Ruhepuls zu einem der wenigen Herzwerte, die ohne Gerät zu Hause zu haben sind. Er schwankt von Tag zu Tag, und gerade diese Schwankung verrät mehr über Ihr Herz als ein einzelner Wert.

Unter 60 Schlägen spricht die Medizin von einer Bradykardie, über 100 von einer Tachykardie. Beide Begriffe benennen zunächst nur eine Zahl. Ob dahinter eine Erkrankung steckt, entscheidet sich danach, ob Sie Beschwerden haben und ob der Wert über mehrere Tage bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Erwachsene gelten 60 bis 100 Schläge pro Minute als normaler Ruhepuls.
  • Unter 60 wird als Bradykardie bezeichnet, über 100 als Tachykardie. Ein einzelner Messwert sagt wenig aus.
  • Am aussagekräftigsten ist der Puls im Liegen, bevor Sie aufstehen. Zählen Sie 30 Sekunden lang und verdoppeln Sie das Ergebnis.
  • Ausdauertraining senkt den Ruhepuls. Eine Metaanalyse von Trainingsstudien fand im Mittel gut drei Schläge pro Minute weniger.
  • Zehn Schläge mehr pro Minute in Ruhe gingen in einer Metaanalyse von 87 Studien mit rund 15 Prozent höherem Risiko für Tod durch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung einher.

Was als normaler Ruhepuls gilt

Den Takt gibt der Sinusknoten vor. Das ist ein Knoten aus spezialisierten Muskelzellen im rechten Vorhof. Er erzeugt elektrische Impulse und bestimmt damit, wie oft das Herz schlägt. In Ruhe sind das bei den meisten Erwachsenen etwa 60 bis 80 Impulse pro Minute. Als normalen Bereich für den Ruhepuls eines Erwachsenen nennen der NHS und Health Education England 60 bis 100 Schläge pro Minute. Das IQWiG nennt für einen gesunden Ruhepuls meist 60 bis 90 Schläge pro Minute. Beide Angaben kommen in der Medizin vor, und Werte zwischen 90 und 100 Schlägen pro Minute gelten weiterhin als normal.

  • Unter 60 Schläge: Bradykardie. Häufig bei körperlich fitten Menschen und bei Menschen über 65.
  • 60 bis 100 Schläge: normaler Bereich für Erwachsene.
  • Über 100 Schläge: Tachykardie. In Ruhe und ohne körperliche Anstrengung sollte sie ärztlich abgeklärt werden.

Eine Bradykardie ist für sich genommen keine Krankheit. Health Education England nennt als Beschwerden, die zu einem langsamen Puls passen können: Schwindel, Müdigkeit, Ohnmacht, Atemnot, Brustschmerzen, Blutdruckabfall und Konzentrationsprobleme. Wer trainiert und sich fit fühlt, hat diese Zeichen meist nicht. Dann ist der niedrige Wert eine Anpassung an die Belastung.

Der Ruhepuls ist kein fester Wert. Über den Tag hinweg steigt er durch Bewegung, Anspannung, Koffein und die Verdauung an und sinkt in Ruhe wieder ab. Ein Wert, der morgens bei 62 liegt und am Nachmittag 78 erreicht, kann völlig unauffällig sein. Beurteilen Sie deshalb den niedrigsten Wert des Tages und dessen Beständigkeit.

Richtig messen

Am verlässlichsten ist eine Messung im Liegen, bevor Sie aufstehen. Jede Bewegung und jede Anspannung verschiebt den Wert nach oben. Die Stiftung Gesundheitswissen empfiehlt, mindestens 30 Sekunden lang zu zählen und das Ergebnis zu verdoppeln. Der eigene Daumen eignet sich dafür nicht, er hat selbst einen kräftigen Puls.

  • Legen Sie zwei Finger an die Innenseite des Handgelenks, unterhalb des Daumens.
  • Zählen Sie die Schläge mindestens 30 Sekunden lang und verdoppeln Sie die Zahl.
  • Drücken Sie nur leicht. Zu fester Druck drückt die Ader ab, der Puls wird schwer tastbar.
  • Messen Sie zur gleichen Tageszeit, am besten jeden Morgen vor dem Aufstehen.
  • Notieren Sie Datum und Wert. Ein einzelner Wert ist schwer zu beurteilen, eine Woche schon.

Achten Sie auch auf die Regelmäßigkeit. Ein Puls, der in unregelmäßigen Abständen schlägt, verändert den Aussagewert des Messergebnisses. Wirkt der Puls unregelmäßig, zählen Sie eine volle Minute und lassen Sie das mit einem EKG abklären.

Was den Ruhepuls verändert

Ausdauertraining

Regelmäßiges Ausdauertraining senkt den Ruhepuls dauerhaft. Eine Metaanalyse von Trainingsstudien fand, dass sich der Ruhepuls in den Trainingsgruppen im Mittel um gut drei Schläge pro Minute gegenüber den Kontrollgruppen verringerte. Bei reinem Ausdauertraining lagen die Rückgänge je nach Geschlecht zwischen rund drei und sechs Schlägen pro Minute. Die Trainingsprogramme dauerten meist etwa drei Monate mit drei Einheiten pro Woche. Je höher der Ausgangswert lag, desto stärker fiel er.

Koffein

Eine Tasse Kaffee beschleunigt den Puls für eine Weile. Dauerhafter Konsum verändert den Ruhepuls kaum. Eine Metaanalyse randomisierter Studien zu täglichem Kaffeekonsum über zwei bis 24 Wochen fand keinen signifikanten Unterschied im Ruhepuls. Health Education England führt Koffein gleichwohl als einen der Auslöser für einen beschleunigten Herzschlag auf. Beides gehört zusammen: Der Wert für die Ruhe bleibt von einer einzelnen Tasse unberührt.

Fieber, Stress und Erkrankungen

Bei körperlicher Anstrengung, bei Nervosität und bei Fieber schlägt das Herz schneller. Bei großer Anstrengung sind nach Angaben des IQWiG auch mehr als 200 Schläge pro Minute möglich. Health Education England nennt für einen dauerhaft beschleunigten Herzschlag unter anderem Fieber, eine Schilddrüsenüberfunktion, Blutarmut, Stress, Rauchen, Alkohol und bestimmte Medikamente.

Medikamente und Schilddrüse

Betablocker machen den Puls langsamer. Der NHS führt Beta-Blocker zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen auf und nennt sie zugleich als Ursache für einen zu langsamen Puls. Wer ein solches Präparat nimmt, kann einen niedrigen Ruhepuls gut erwarten. Eine Unterfunktion der Schilddrüse verlangsamt den Stoffwechsel und kann den Puls ebenfalls senken. Umgekehrt führt eine Überfunktion zu Herzklopfen, Herzrasen und manchmal zu Herzrhythmusstörungen. Das IQWiG beziffert den Anteil der Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion auf etwa einen von hundert und warnt, dass eine unbehandelte Überfunktion Vorhofflimmern auslösen kann.

Was ein niedriger Ruhepuls über die Fitness sagt

Ein Puls von 45 Schlägen pro Minute in Ruhe klingt nach Störung. Bei Ausdauersportlern gehört er zum Alltag. Eine Kohortenstudie mit aktiven und ehemaligen Spitzensportlern aus Ausdauersportarten fand in der Langzeit-EKG-Aufzeichnung bei 38 Prozent der untersuchten Athleten einen Tiefstwert von höchstens 40 Schlägen pro Minute. Nach einer Zusammenstellung von Forschungsergebnissen entwickeln bis zu 80 Prozent der Ausdauersportler eine Sinusbradykardie. Bei diesen Sportlern ist der niedrige Puls meist eine harmlose Anpassung an das Training. Mit steigendem Alter benötigen Sportler mit Bradykardie jedoch häufiger einen Herzschrittmacher als andere Menschen. Schwindel oder Ohnmacht sollten deshalb auch bei Sportlern ärztlich abgeklärt werden.

Umgekehrt gilt: Ein hoher Ruhepuls in Ruhe geht mit höherem Risiko einher. Aune und Kollegen fassten 87 prospektive Studien zusammen. Pro zehn Schläge mehr pro Minute in Ruhe stieg das Risiko für einen Herzinfarkt um rund 7 Prozent, für eine Herzschwäche um rund 18 Prozent, für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung insgesamt um rund 15 Prozent und für einen Tod aus jeder Ursache um rund 17 Prozent. Eine Metaanalyse von Zhang und Kollegen kam zu ähnlichen Größenordnungen und fand für Werte über 80 Schläge pro Minute im Vergleich zur niedrigsten Gruppe ein um rund 45 Prozent höheres Risiko, aus irgendeinem Grund zu sterben.

Ein niedriger Ruhepuls allein beweist gute Fitness nicht. Er kann auch durch eine Erkrankung, durch Medikamente oder durch eine Störung der Erregungsleitung im Herzen entstehen. Das unterscheidet ihn vom Puls des trainierten Ausdauersportlers: Bei Letzterem bleibt die Leistungsfähigkeit beim Laufen und Radfahren erhalten.

Ein erhöhter Ruhepuls: Ursachen und Bedeutung

Ein dauerhaft erhöhter Ruhepuls begleitet viele Erkrankungen und ist selbst meist nur ein Zeichen. Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit gehen häufig mit einem höheren Puls in Ruhe einher. Er ist ein Marker, keine Ursache.

Besonders zu beachten ist ein unregelmäßiger Puls. Beim Vorhofflimmern schlägt das Herz nach Angaben des IQWiG dauerhaft unregelmäßig und oft so schnell, dass es weniger Blut in den Körper pumpt. Ein gesunder Ruhepuls liegt meist zwischen 60 und 90 Schlägen pro Minute. Bei Vorhofflimmern schlägt das Herz 120- bis 160-mal pro Minute, bei manchen Menschen bis zu 200-mal. Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen und erhöht auf Dauer das Risiko für einen Schlaganfall. Mehr als die Hälfte der Betroffenen bemerken das Vorhofflimmern nicht, zumindest zu Beginn der Erkrankung. Deshalb lohnt es sich, den Puls regelmäßig zu zählen und dabei auf eine unregelmäßige Schlagfolge zu achten. Fällt eine solche über Tage oder Wochen auf, lassen Sie das ärztlich abklären. Ein Elektrokardiogramm unterscheidet die verschiedenen Rhythmen zuverlässig.

Wer bereits Vorhofflimmern hat, behandelt die Herzfrequenz häufig mit Medikamenten. Nach den Angaben des IQWiG wird der Ruhepuls dabei mit Medikamenten auf unter 110 Schläge pro Minute gesenkt. Reicht das gegen die Beschwerden nicht aus, kann der Puls auf unter 80 Schläge pro Minute gesenkt werden.

Warnzeichen bei Herzrasen und langsamem Puls

Herzklopfen allein ist meist kein Notfall. Der NHS rät zu einer sofortigen Notfallbehandlung, wenn Herzklopfen zusammen mit einem dieser Zeichen auftreten:

  • Schmerzen oder ein Druckgefühl in der Brust
  • Atemnot
  • Schwindel oder Benommenheit
  • Ohnmacht oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden

Dazu passt die Schwelle, die Health Education England für den Notfall setzt: eine Herzfrequenz über 150 Schläge pro Minute, einhergehend mit Brustschmerzen, Kollaps oder Fieber.

Auf der anderen Seite gilt für den langsamen Puls: Ein Problem entsteht, wenn Beschwerden hinzukommen. Das englische Institut NICE (National Institute for Health and Care Excellence) beschreibt eine symptomatische Bradykardie als langsamen Puls mit Ohnmacht, Stürzen, Schwindel, Verwirrtheit, spürbarem Herzklopfen, Atemnot oder Brustschmerzen. In diesen Fällen kann ein Herzschrittmacher eingesetzt werden, der den fehlenden Impuls ersetzt. Ohne diese Beschwerden wird in der Regel nichts eingesetzt.

Wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist

Rufen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt an, wenn eines der Folgenden zutrifft:

  • Der Ruhepuls liegt über mehrere Tage dauerhaft über 100 Schlägen pro Minute, oder er liegt unter 60 und Sie bemerken Schwindel, Müdigkeit oder Atemnot.
  • Herzrasen, Herzstolpern oder Aussetzer wiederholen sich oder werden stärker.
  • Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen, ungewöhnliche Müdigkeit oder Benommenheit kommen hinzu.
  • Seit einem neuen Medikament ist der Puls deutlich langsamer oder schneller.
  • Der Puls schlägt deutlich unregelmäßig, auch wenn Sie sich dabei wohl fühlen.

Bei Brustschmerz, Atemnot oder einer Ohnmacht rufen Sie den Notruf 112.

Häufig gestellte Fragen

Mein Ruhepuls liegt bei 55. Ist das ein Problem?

Unter 60 Schlägen pro Minute spricht die Medizin von einer Bradykardie. Der Wert ist bei körperlich fitten Menschen und bei Menschen über 65 häufig. Entscheidend ist, wie Sie sich dabei fühlen. Ohne Schwindel, ohne Müdigkeit und ohne Atemnot müssen Sie einen Wert von 55 in der Regel nicht behandeln lassen. Kommt eines dieser Zeichen regelmäßig vor, gehen Sie zum Arzt.

Wie oft sollte ich den Ruhepuls messen?

Einmal täglich reicht für ein brauchbares Bild. Am besten morgens im Liegen, bevor Sie aufstehen. Zählen Sie 30 Sekunden lang und verdoppeln Sie das Ergebnis. Notieren Sie den Wert mit Datum. Schon eine Woche Notizen zeigt, ob ein Wert zu Ihrem Alltag gehört oder eine Ausnahme bleibt.

Mein Puls springt nach dem Aufstehen auf 110. Muss ich mir Sorgen machen?

Ein Anstieg beim Aufstehen ist eine normale Reaktion. Ihr Herz muss nach dem Liegen plötzlich mehr Blut in den Körper pumpen. Diese kurze Schwankung zählt nicht als Ruhepuls. Relevant ist der Wert, der bleibt, wenn Sie sich wieder hingesetzt und einige Minuten ruhig sitzen. Bleibt er dann über 100, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.

Bringt Kaffee meinen Ruhepuls dauerhaft hoch?

Dauerhaft kaum. Eine Metaanalyse randomisierter Studien zu täglichem Kaffeekonsum fand keinen signifikanten Anstieg des Ruhepuls. Nach einer einzelnen Tasse beschleunigt das Koffein den Puls für eine Weile. Diese spürbare Reaktion sagt nichts über Ihren Ruhepuls aus. Koffein gehört zu den Auslösern, die bei Herzrhythmusstörungen eine Rolle spielen können.

Ich komme beim Laufen auf 180 Schläge pro Minute. Ist das zu viel?

Der höchste Puls ist individuell und sinkt mit dem Alter. 180 Schläge pro Minute können beim Laufen normal sein. Bei großer körperlicher Anstrengung sind nach Angaben des IQWiG auch mehr als 200 Schläge pro Minute möglich. Warnzeichen sind Brustschmerz, Schwindel, Atemnot oder ein unregelmäßiger Puls. Dann brechen Sie ab und lassen das ärztlich abklären.

Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung. Welcher Puls ist normal? Abruf 2026.
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Wie wird der Herzrhythmus gesteuert? Abruf 2026.
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Herzrhythmusstörungen. Abruf 2026.
  4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Vorhofflimmern. Abruf 2026.
  5. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Wie funktioniert die Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern? Abruf 2026.
  6. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Abruf 2026.
  7. NHS. Heart rhythm problems (arrhythmia). Abruf 2026.
  8. NHS Health Education England. Bradycardia. Abruf 2026.
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