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Pflanzenheilkunde

Hilft Pfefferminzöl bei Reizdarm und Kopfschmerzen?

Pfefferminze, Pfefferminztee und Pfefferminzöl sind drei verschiedene Dinge, und die Forschung dazu ist sehr unterschiedlich.

Pflanzenheilkunde9 Min. Lesezeit

Ob das Öl bei Reizdarm und bei Kopfschmerzen hilft, beantwortet die Forschung unterschiedlich. Für Säuglinge und Kleinkinder fällt die Antwort deutlich aus.

Pfefferminze wächst in Europa, in Nordamerika und im Mittelmeerraum. Das US-Zentrum für komplementäre und integrative Gesundheit (NCCIH) der Nationalen Gesundheitsinstitute der USA beschreibt die Pflanze als natürliche Kreuzung aus Wasserminze und Grüner Minze. Das Öl wird aus den blühenden Trieben und den Blättern gewonnen. Ätherische Öle sind sehr konzentriert und enthalten die Stoffe, die einer Pflanze ihren typischen Geruch und Geschmack geben. Menthol ist einer dieser Stoffe. Die medizinische Verwendung der Minze bei Verdauungsbeschwerden reicht nach Angaben des US-Zentrums weit zurück, bis in das antike Griechenland, Rom und Ägypten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gegen Reizdarm empfehlen die beiden deutschen Fachgesellschaften Pfefferminzöl mit der höchsten Empfehlungsstufe A. Gegen leichte Kopfschmerzen ist die europäische Empfehlung auf Erwachsene ab 18 Jahren begrenzt.
  • Der Nachweis gilt dem Öl in magensaftresistenten Kapseln. Zum Tee aus Blättern liegt nach dem US-Zentrum zu wenig Forschung vor, um eine Wirkung zu bestätigen.
  • Sodbrennen gehört zu den bekannten Nebenwirkungen. Magensaftresistente Kapseln sind dafür gedacht, es zu verringern.
  • Auf das Gesicht von Säuglingen und Kleinkindern gehört kein Pfefferminzöl. Das Menthol kann ihre Atmung beeinträchtigen.
  • Die Leitlinie empfiehlt eine kurzfristige Anwendung. Zur langfristigen Einnahme fehlen Daten.

Drei Dinge unter einem Namen

Das US-Zentrum schreibt, zur Pfefferminze gebe es sehr wenig Forschung. Es sei nicht eindeutig belegt, ob das Blatt für irgendein Gesundheitsproblem nützlich sei. Zum Tee heißt es, er erscheine sicher. Über die Langzeitfolgen eines großen Mengenverbrauchs von Pfefferminzblättern sei nichts bekannt.

Die europäische Arzneimittelagentur begrenzt ihre Empfehlungen ausdrücklich auf das Öl. Sie gelten nur für Öle, die durch Wasserdampfdestillation aus den frischen oberirdischen Teilen der blühenden Pflanze gewonnen werden. Kombinationen mit anderen Pflanzensubstanzen sind nicht abgedeckt.

Drei Dinge also: die Pflanze als Geruchs- und Geschmacksquelle, der Tee als Getränk aus Blättern und das Öl als Arzneistoff in Kapseln, in Flüssigkeiten und zum Aufbringen auf die Haut. Am besten untersucht ist das Öl.

Reizdarm: was die Leitlinie und die Übersichtsarbeiten ergeben

Der Reizdarm ist eine der häufigsten Beschwerden im Verdauungstrakt. Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität schätzt den weltweiten Anteil auf 11,2 Prozent. Je nach verwendeten Kriterien streuen die Schätzungen zwischen 2,5 und 25 Prozent. Frauen sind häufiger betroffen, in der zweiten und dritten Lebensdekade im Verhältnis zwei zu eins.

Die Leitlinie hält fest, Pfefferminzöl habe sich vor allem gegen die Symptome Schmerz und Blähungen als wirksam erwiesen und solle erwogen werden. Empfehlungsgrad A, starker Konsens.

Eine Metaanalyse, also das Zusammenrechnen mehrerer Studien, kam in derselben Leitlinie zu dem Ergebnis, dass Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln kurzfristig angewendet werden kann. Sie umfasste neun randomisierte Studien mit 726 Patienten, also neun Studien, bei denen die Zufallsentscheidung bestimmt, wer welches Präparat bekommt. Gegenüber einem Scheinpräparat zeigte sich bei Bauchschmerzen und bei den Beschwerden insgesamt ein deutlicher Unterschied. Unerwünschte Nebenwirkungen traten signifikant häufiger auf, sie blieben leicht und vorübergehend. Als Beispiel nennt die Leitlinie Sodbrennen bei unsachgemäßer Anwendung der Kapseln. Zur langfristigen Anwendung fehlen Daten.

Eine weitere Studie mit 72 Patienten verglich das Öl mit einem Scheinpräparat bei durchfallbetontem und gemischtem Reizdarm. Nach 24 Stunden lag das Öl bei den Beschwerden insgesamt, bei Bauchschmerzen und bei den Darmbewegungen vorn. Nach 28 Tagen blieb die Überlegenheit bei den Beschwerden insgesamt bestehen, dazu kamen Bauchschmerzen, Blähungen, ein Spannungsgefühl, Schmerzen beim Ablassen und die Darmbewegungen.

Kapseln mit einer Hülle, die der Magensaft nicht auflöst, nennt das US-Zentrum enteric-coated, auf Deutsch magensaftresistent. Sie werden häufig verwendet, um das Sodbrennen zu verringern. Die Empfehlung des American College of Gastroenterology hält dazu fest, dass magensaftresistente Formen dabei helfen können, Sodbrennen und Magenbeschwerden zu mindern.

Eine Übersichtsarbeit wertete zehn Studien mit 1.030 Patienten aus und kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Bei den Beschwerden insgesamt mussten vier Menschen behandelt werden, damit es einer von ihnen besser ging, bei Bauchschmerzen sieben. Nebenwirkungen traten allerdings häufiger auf als mit Scheinpräparat. Die Qualität der Belege bezeichnen die Autoren als sehr niedrig.

Spannungskopfschmerzen: Öl auf Stirn und Schläfen

Bei Kopfschmerzen ist die Studienlage schwächer als beim Reizdarm.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schreibt auf gesundheitsinformation.de, manche Menschen linderten ihre Spannungskopfschmerzen, indem sie sich Pfefferminzöl auf Stirn, Schläfen oder Nacken tupfen.

Die Arzneimittelagentur bleibt enger. Ihre Empfehlung gilt leichten Kopfschmerzen und ist auf Erwachsene ab 18 Jahren begrenzt. Geprüft hat sie eine Studie, in der eine zehnprozentige Pfefferminzölmischung in Ethanol auf die Stirn aufgetragen wurde und die Kopfschmerzintensität sank. Für Verdauungsbeschwerden und für Kopfschmerzen stuft die Agentur den Nachweis als gut belegt ein, mit bibliografischen Daten aus mindestens zehn Jahren in der Europäischen Union.

Das US-Zentrum spricht von begrenzter Beweislage und nennt den Kopfschmerz vom Spannungstyp.

Wie das Öl wirkt, ist nicht vollständig bekannt. Auf der Haut erzeugt es laut Arzneimittelagentur ein anhaltendes Kältegefühl, weil es die kälteempfindlichen Nerven reizt. Im Darm vermutet die Agentur, dass es in den Ablauf der Kalziumionen eingreift, die für das Zusammenziehen der glatten Muskeln sorgen, und so die Muskeln entspannt.

Was Spannungskopfschmerzen sind, beschreibt gesundheitsinformation.de: dumpf und drückend, leicht bis mittelstark, oft beschrieben als Ring um den Schädel. Mehr als 40 von 100 Menschen haben immer wieder damit zu tun, bei etwa 1 von 100 Menschen sind die Beschwerden über längere Zeit sehr häufig oder dauerhaft. Als chronisch gilt ein Kopfschmerz, wenn er innerhalb von drei Monaten an 15 oder mehr Tagen im Monat auftritt oder an mehr als 180 Tagen im Jahr. Die Ursachen sind nach Angabe des Instituts unbekannt. Anders als der Name vermuten lässt, sind Muskelverspannungen nicht die typische Ursache.

Für Spannungskopfschmerzen führt das Institut weitere Möglichkeiten auf: regelmäßiger leichter Ausdauersport, manuelle Behandlungen, Entspannungsübungen und Yoga. Bei chronischen Beschwerden kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein oder eine Schmerztherapie, bei der mehrere Behandlungen miteinander kombiniert werden.

Sodbrennen: die bekannte Begleiterscheinung

Beim Einnehmen gehört Sodbrennen zu den bekannten Nebenwirkungen. Die Arzneimittelagentur führt es neben trockenem Mund, Übelkeit und allergischen Reaktionen auf. Das US-Zentrum nennt dieselben Beschwerden.

Pfefferminzöl allein kann bei manchen Menschen eine bestehende Verdauungsstörung verschlimmern. Die US-Fachgesellschaft für Gastroenterologie hält fest, dass magensaftresistente Formen helfen könnten, Sodbrennen und Magenbeschwerden zu mindern.

Die deutsche Leitlinie nennt Sodbrennen als Folge unsachgemäßer Anwendung der Kapseln. Für die Anwendung gelten die Angaben im Beipackzettel des Präparats, worauf die Arzneimittelagentur ausdrücklich verweist.

Nicht auf das Gesicht von Säuglingen und Kleinkindern

Das US-Zentrum schreibt, Menthol dürfe von Säuglingen und Kleinkindern weder eingeatmet noch auf ihr Gesicht aufgetragen werden, weil es deren Atmung beeinträchtigen kann. An anderer Stelle derselben Seite steht, das Öl solle nicht auf das Gesicht von Säuglingen und Kleinkindern aufgetragen werden, weil ernste Nebenwirkungen entstehen können, wenn sie das Menthol einatmen. Als mögliche Folge des Einatmens nennt die Arzneimittelagentur einen Atemstillstand und eine Verengung der Atemwege, bei Menschen mit einer Allergie.

Die Altersgrenzen der europäischen Empfehlungen richten sich nach der Verwendung:

  • Gegen leichte Bauchbeschwerden eingenommen: nicht bei Kindern unter 8 Jahren.
  • Auf Stirn und Schläfen gegen Kopfschmerzen: nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.
  • Gegen Erkältung, Muskelschmerzen und Juckreiz: nicht bei Kindern unter 2 Jahren.
  • Gegen Erkältung und Husten: zusätzlich nicht bei Kindern von 2 bis 11 Jahren.

Beim Stillen rät das US-Zentrum, das Öl im Brustbereich erst nach dem Stillen aufzutragen und es vor der nächsten Stillmahlzeit wieder abzuwischen.

Wann Sie es nicht verwenden sollten

Die Arzneimittelagentur schließt Pfefferminzöl gegen leichte Bauchbeschwerden bei bestimmten Menschen aus:

  • bei zu wenig Magensäure
  • bei einer Erkrankung der Leber
  • bei Gallensteinen und anderen Erkrankungen der Galle

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Das US-Zentrum weist darauf hin, dass Kräuter und Arzneimittel einander in schädlicher Weise beeinflussen können. Zur Schwangerschaft und Stillzeit gilt: In der Menge, in der Pfefferminze in Lebensmitteln vorkommt, ist die Einnahme wahrscheinlich unbedenklich. Über arzneiliche Mengen ist wenig bekannt.

Bleiben Beschwerden länger bestehen oder werden sie schlimmer, sollte eine Ärztin oder ein Arzt gefragt werden. Diese Empfehlung steht in den europäischen Fachempfehlungen. Bei Kopfschmerzen formuliert gesundheitsinformation.de es ähnlich: Wer öfter Kopfschmerzen hat, bespricht dies am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt. Wer regelmäßig an mehr als zehn Tagen im Monat Medikamente gegen Kopfschmerzen einnimmt, sollte das ebenfalls tun.

Einordnung

Das Öl hat einen klaren Platz. Gegen Bauchschmerzen und Blähungen beim Reizdarm empfehlen die beiden deutschen Fachverbände es mit der höchsten Stufe A. Bei Kopfschmerzen nennt das US-Zentrum eine begrenzte Beweislage, und die europäische Empfehlung gilt leichten Kopfschmerzen bei Erwachsenen.

Was die Empfehlung abdeckt, sagt die Arzneimittelagentur selbst: die Linderung leichter Bauchkrämpfe, von Blähungen und von Bauchschmerzen, besonders bei Menschen mit Reizdarmsyndrom.

Zwei Einschränkungen bleiben. Die Leitlinie empfiehlt eine kurzfristige Anwendung und begründet das mit fehlenden Daten zur langfristigen Einnahme. Die Übersichtsarbeit fand einen Vorteil gegenüber Placebo, nennt die Qualität der Belege aber sehr niedrig.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pfefferminztee und Pfefferminzöl?

Der Tee wird aus den Blättern der Pflanze gemacht. Das Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus den frischen blühenden Trieben gewonnen und ist ein Arzneistoff. Das US-Zentrum schreibt, es gebe sehr wenig Forschung zum Blatt und nicht genug Belege, um eine Wirkung zu bestätigen. Die Empfehlungen der Arzneimittelagentur beziehen sich nur auf das Öl.

Wie lange darf ich Pfefferminzöl gegen Reizdarm einnehmen?

Die Leitlinie empfiehlt eine kurzfristige Anwendung und hält fest, dass zur langfristigen Einnahme keine Daten vorliegen. Sie hebt auch hervor, dass unerwünschte Nebenwirkungen häufiger auftreten. Eine bestimmte Zahl an Wochen nennt sie nicht. Verbindlich sind die Angaben des Herstellers im Beipackzettel, auf die die Arzneimittelagentur verweist.

Hilft Pfefferminzöl auch gegen Migräne?

Für die Migräne gibt es keine Empfehlung. Die Empfehlung der Arzneimittelagentur gilt leichten Kopfschmerzen, das US-Zentrum nennt den Kopfschmerz vom Spannungstyp. Auf gesundheitsinformation.de werden Spannungskopfschmerzen als eigene Art geführt, getrennt von der Migräne.

Darf ich Pfefferminzöl in der Schwangerschaft einnehmen?

Das US-Zentrum schreibt, die Einnahme in der Menge wie in Lebensmitteln sei in Schwangerschaft und Stillzeit wahrscheinlich sicher. Über arzneiliche Mengen sei wenig bekannt. Fragen Sie vor der Einnahme in Ihrer Arztpraxis oder Apotheke nach.

Darf ich meinem Kind Pfefferminzöl auf die Stirn reiben?

Nein. Die Arzneimittelagentur begrenzt die Anwendung auf Stirn und Schläfen auf Erwachsene ab 18 Jahren. Das US-Zentrum warnt zusätzlich davor, das Öl auf das Gesicht von Säuglingen und Kleinkindern aufzutragen. Menthol kann deren Atmung beeinträchtigen.

Quellen

  1. Layer P, Andresen P, Bischoff AL et al. Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). AWMF-Registriernummer 021-016. AWMF Leitlinienregister, Langfassung der Leitlinie
  2. European Medicines Agency. Peppermint oil. Mentha x piperita L., aetheroleum. EMA/55625/2020. Zusammenfassung für die Öffentlichkeit. European Medicines Agency, Peppermint oil summary for the public
  3. European Medicines Agency. Menthae piperitae aetheroleum, herbal medicinal product. Committee on Herbal Medicinal Products. European Medicines Agency, Menthae piperitae aetheroleum
  4. National Center for Complementary and Integrative Health. Peppermint Oil: Usefulness and Safety. National Institutes of Health. NCCIH, Peppermint Oil
  5. Ingrosso MR, Ianiro G, Nee J et al. Systematic review and meta-analysis: efficacy of peppermint oil in irritable bowel syndrome. Alimentary Pharmacology & Therapeutics. PubMed, PMID 35942669
  6. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Spannungskopfschmerzen. gesundheitsinformation.de, Spannungskopfschmerzen