Sie ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche Abklärung. Über ihre Wirkung liegen Studien vor, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, und Fachleute bewerten sie deshalb unterschiedlich.
Am klarsten fällt das Urteil für Menschen aus, die unter einer saisonal bedingten Depression leiden. Etwa 21 von 100 Personen hatten in den ausgewerteten Studien einen Vorteil von der Lichtlampe. Bei der Vorbeugung sieht es anders aus. Dafür ist die Studienlage zu dünn, um ein Urteil zu fällen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine trübe Stimmung im November und eine Depression sind zwei verschiedene Dinge. Erst wenn mehrere Haupt- und Nebensymptome zwei Wochen oder länger anhalten, spricht man von einer Depression.
- Bei einer saisonal bedingten Depression bessert eine Tageslichtlampe die Beschwerden kurzfristig. Etwa 21 von 100 Personen hatten dadurch einen Nutzen.
- Die übliche Anwendung: etwa eine halbe bis 1 Stunde täglich, am Morgen, mit geöffneten Augen und ohne längere Zeit aus kurzer Distanz in die Lampe zu blicken.
- Als Vorbeugung vor einer Winterdepression ist Lichttherapie nicht belegt. Dafür fehlen verwertbare Studienergebnisse.
- Augenkrankheiten, Medikamente, die die Haut lichtempfindlich machen, und eine bipolare Erkrankung sollten Sie vor der ersten Sitzung mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Winterstimmung oder Winterdepression
Von einer Depression sprechen Fachleute erst, wenn mehrere Haupt- und Nebensymptome zwei Wochen oder länger anhalten. Zu den Hauptsymptomen zählen eine gedrückte, depressive Stimmung, Freudlosigkeit und wenig Interesse an Dingen, die einem vorher wichtig waren sowie Antriebsmangel und schnelle Ermüdung. Je nach Anzahl, Art, Dauer und Stärke der Beschwerden unterscheiden Fachleute zwischen leichten, mittelschweren und schweren Depressionen.
Einige Menschen entwickeln vorwiegend in den dunklen Herbst- und Wintermonaten eine Depression. Sie entsteht vor allem durch Lichtmangel. Mit dem Frühling verschwindet sie meist wieder. Ein Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen verlangt dafür, dass die Episode mindestens in zwei aufeinanderfolgenden Jahren im gleichen Zeitraum auftritt, mindestens 14 Tage andauert und zu einer bestimmten Zeit wieder vollständig abklingt.
- Mehrere Haupt- und Nebensymptome halten zwei Wochen oder länger an: Dann kann eine Depression vorliegen. Feststellen kann das eine Ärztin oder ein Arzt.
- Die Beschwerden kommen jedes Jahr im gleichen Zeitraum und klingen im Frühling ab: Das Muster passt zu einer saisonal bedingten Depression.
- Dazu kommen Heißhunger auf Kohlenhydrate, ein erhöhtes Schlafbedürfnis oder eine Gewichtszunahme: Diese Beschwerden nennt der IGeL-Monitor für die saisonale Form.
Wie Licht Stimmung und innere Uhr verändert
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt den Lichtmangel als einen Faktor, der bei der Entstehung einer Depression mitwirken kann. Manche Menschen reagieren auf den Mangel an Tageslicht in den dunklen Herbst- und Wintermonaten mit einer Depression.
Leistungsstarke Leuchten kommen laut Bundesamt für Strahlenschutz auf zwei Arten zum Einsatz: um den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stützen und um die Beschwerden einer saisonalen Depression zu mildern. Licht stellt laut Bundesamt für Strahlenschutz als Zeitgeber die innere Uhr und wirkt auf die Stimmung ein.
Die Ursachen sind laut IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund noch nicht hinreichend erforscht. Vermutet wird eine Störung von Schlaf-Wach-Zyklus sowie Hormon- und Botenstoffhaushalt, wenn die Tage kürzer werden. Sonnenlicht beeinflusst viele Stoffwechselvorgänge im Körper. Für die dunkle Jahreszeit wird außerdem angenommen, dass sie den Serotoninstoffwechsel verändert.
Was die Studien zur Lichttherapie zeigen
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat 21 hochwertige Studien ausgewertet, an denen insgesamt 1441 Erwachsene teilgenommen haben. 16 verglichen die Lichttherapie mit einer Scheinbehandlung, also einer Lampe, die so schwach leuchtet, dass von ihr keine Wirkung zu erwarten ist. 3 verglichen sie mit kognitiver Verhaltenstherapie, 2 mit dem Medikament Fluoxetin.
Der Nutzen ist vorhanden, aber er fällt klein aus
Fasst man alle Studien zusammen, wirkt die Lichttherapie gegen die Herbst-Winter-Depression nach den Ergebnissen des Instituts insgesamt nicht besser als eine Scheinbehandlung. Getrennt nach Art der Lampe zeigt sich ein anderes Bild: Klassische Lichtlampen, die vor einem stehen, könnten die Beschwerden kurzfristig etwas mehr bessern als eine Scheinbehandlung. Der Effekt ist aber wahrscheinlich gering. Nach 2 bis 8 Wochen waren bei 46 von 100 Personen mit Lichttherapie deutliche Besserungen zu sehen, bei 25 von 100 Betroffenen ohne jede Therapie. Etwa 21 von 100 Personen hatten also einen Nutzen vom Einsatz der Lichtlampen. Das Institut formuliert es noch kürzer: Etwa 1 von 5 Personen geht es durch die Lichttherapie merklich besser. Für Lampen, die am Kopf befestigt werden, fanden die Studien keinen Hinweis auf eine Wirkung.
Ein Teil der Beschwerden bessert sich auch ohne jede Behandlung. Außerdem könnten vor allem Studien mit einem positiven Ergebnis veröffentlicht worden sein; das Institut weist ausdrücklich darauf hin, dass möglicherweise Studien fehlen, die keinen Vorteil der Lichtlampen zeigen konnten. Offen bleibt außerdem, wie lange der Effekt anhält, denn die Teilnehmenden wurden höchstens 8 Wochen beobachtet.
Der Vergleich mit Medikament und Verhaltenstherapie
Im Vergleich mit kognitiver Verhaltenstherapie und dem Medikament Fluoxetin ging es den Teilnehmenden nach einigen Wochen etwa gleich gut, egal welche der drei Behandlungen sie erhalten hatten. Bei etwa der Hälfte war die Depression nach 5 bis 8 Wochen verschwunden. Auf der Schadensseite schnitt die Lichttherapie besser ab: Fluoxetin rief häufiger unerwünschte Nebenwirkungen hervor. Der IGeL-Monitor sieht gegenüber Fluoxetin weniger Schaden durch Schlafstörungen, Herzrasen oder innere Unruhe, bewertet beide Vergleiche aber als unklar. Unerwünschte Wirkungen traten unter Lichttherapie nicht häufiger auf als unter der Scheinbehandlung. Unerwünschte Wirkungen sind laut IGeL-Monitor bei körperlich gesunden Menschen ohne Medikamente selten und meist leicht, etwa Kopf- oder Augenschmerzen.
Warum die Fachleute unterschiedlich urteilen
Der IGeL-Monitor bewertet die Lichttherapie zur Behandlung einer saisonalen Depression als tendenziell positiv. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression spricht laut IGeL-Monitor eine starke Empfehlung für einen Therapieversuch mit Lichttherapie bei einer saisonalen depressiven Störung aus. Begründet wird das mit kurzzeitigen Effekten auf die Symptomatik, einem geringen Schadenspotenzial und der einfachen Umsetzbarkeit.
Die britische Leitlinie Depression in adults des National Institute for Health and Care Excellence rät Menschen mit einer Winterdepression, die Lichttherapie Medikamenten oder einer psychologischen Behandlung vorziehen wollen, auf die unsichere Studienlage zur Wirksamkeit der Lichttherapie hinzuweisen. Der Cochrane-Verbund fand für die Vorbeugung nur eine randomisierte Studie mit 46 Teilnehmenden. Die Qualität der Studienlage war für alle untersuchten Endpunkte sehr niedrig, weshalb die Autoren keine Schlussfolgerungen ziehen. Angaben zu Nebenwirkungen enthält diese Studie nicht.
Lichtstärke, Abstand und Tageszeit
Eine Tageslichtlampe ist keine normale Schreibtischleuchte. Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt als verbreitete Ausführung eine Farbtemperatur von 6500 Kelvin mit mehr als 10.000 Lux, und zwar abhängig vom Abstand zur Leuchte. Zum Vergleich nennt dieselbe Stelle diese Werte:
- Bedeckter Sommertag draußen: etwa 20.000 Lux
- Bedeckter Himmel mittags im Winter draußen: etwa 6.000 Lux
- Bürobeleuchtung: etwa 500 Lux
- Allgemeinbeleuchtung in Wohnräumen: etwa 100 bis 300 Lux
Der Abstand bestimmt mit, wie viel Licht bei Ihren Augen ankommt. Der IGeL-Monitor nennt als übliche Anwendung etwa 30 Minuten in einer Entfernung von 50 bis 100 Zentimetern zur Lichtquelle. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät, nicht längere Zeit aus kurzer Distanz in eine so helle Lichtquelle zu blicken. Maßgeblich bleibt die Gebrauchsanweisung Ihres Geräts.
Wie lange und wann
Über die Dauer gehen die Angaben auseinander. Das Institut empfiehlt, sich täglich etwa eine halbe bis 1 Stunde lang mit geöffneten Augen vor der Lampe aufzuhalten. gesundheitsinformation.de beschreibt die Sitzungen als morgendlich und von etwa einer halben Stunde Dauer, der IGeL-Monitor nennt etwa 30 Minuten. Bei geringerer Beleuchtungsstärke verlängert sich nach Angaben des IGeL-Monitors in der Regel die Sitzungsdauer. In den ausgewerteten Studien lag die tägliche Dauer zwischen einer halben Stunde und 2 Stunden, der Behandlungszeitraum zwischen 2 und 8 Wochen.
Für die Tageszeit nennen das Bundesamt für Strahlenschutz und gesundheitsinformation.de den Morgen. Manche Anbieter empfehlen laut IGeL-Monitor die Morgenstunden bis zum Mittag, damit der Schlaf nicht negativ beeinträchtigt wird. Eine regelmäßige Anwendung ist wichtig für den Erfolg. Die Lampe lässt sich in den Alltag einbauen: Sie kann am Frühstückstisch stehen, und Sie können im Licht der Lampe ein Buch lesen.
Lichttherapiegeräte sollten laut Bundesamt für Strahlenschutz als Medizinprodukte gekennzeichnet sein. Zum Schutz der Augen sollten sie laut IGeL-Monitor einen UV-Filter enthalten. Aus den Herstellerinformationen sollte eindeutig hervorgehen, dass das Gerät weder UV-Strahlung noch Infrarot-Strahlung abgibt.
Für wen Vorsicht gilt
Das Bundesamt für Strahlenschutz rät: Wer optische Strahlung zu therapeutischen Zwecken einsetzt, sollte dies generell nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin tun. Bei folgenden Punkten ist Vorsicht geboten:
- Erkrankungen mit erhöhter Lichtempfindlichkeit der Haut.
- Medikamente, die die Haut lichtempfindlich machen können. Das Bundesamt nennt als Beispiele manche Antibiotika, entzündungshemmende Mittel und hochdosierte Johanniskrautpräparate.
- Augenerkrankungen wie grüner Star, grauer Star oder Netzhauterkrankungen. Liegen solche Erkrankungen vor, sollte im Vorfeld augenärztlich abgeklärt werden, ob eine Lichttherapie geeignet ist. Der IGeL-Monitor ergänzt, dass Gebrauchsanweisungen Menschen mit Augenkrankheiten von der Anwendung ausschließen.
Bipolare Erkrankung
Das Institut beschreibt die bipolare Depression als eine Erkrankung mit depressiven und euphorischen Phasen, in denen der Bezug zur Wirklichkeit verloren gehen kann. Der IGeL-Monitor hat Menschen mit einer bipolaren Erkrankung in seiner Auswertung nicht berücksichtigt. Wer eine bipolare Erkrankung hat, bespricht eine geplante Lichttherapie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Licht im Alltag
Der Vergleich der Beleuchtungsstärken zeigt, wie groß der Unterschied zwischen draußen und drinnen ist. Eine Zimmerleuchte bringt etwa 100 bis 300 Lux, eine Therapielampe mehr als 10.000 Lux.
gesundheitsinformation.de empfiehlt, Sport und Bewegung häufig zu nutzen, um depressive Beschwerden zu lindern oder ihnen vorzubeugen. Schon regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft oder Radfahren können guttun.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hält fest, dass die Kosten für Lichttherapie in Deutschland nur von wenigen gesetzlichen Krankenkassen teilweise oder gänzlich übernommen werden. Notwendig ist dafür, dass eine Ärztin oder ein Arzt eine Herbst-Winter-Depression festgestellt und die Therapie verordnet hat. In den meisten Fällen muss die Therapie selbst bezahlt werden. Der IGeL-Monitor führt sie als Selbstzahlerleistung und nennt für eine Sitzung in der Praxis 6 bis 12 Euro. Tageslichtlampen mit 10.000 Lux gibt es im Fachhandel für 30 bis 120 Euro, Kopflampen in Form von Brillen oder Lichtvisieren sind teurer.
Wann Sie Hilfe holen sollten
Hilfe von nahestehenden Menschen und von behandelnden Ärztinnen oder Ärzten ist wichtig, wenn Anzeichen dafür auftauchen, dass sich jemand das Leben nehmen könnte. Das Institut hält es für enorm wichtig, solche Anzeichen ernst zu nehmen und mit anderen darüber zu sprechen. Reicht das nicht aus, gibt es Angebote wie den Sozialpsychiatrischen Dienst, Krisenzentren oder die TelefonSeelsorge, bei denen Betroffene und Angehörige Hilfe erhalten können, und zwar anonym und rund um die Uhr. Die TelefonSeelsorge ist unter der Nummer 0800 111 0 111 erreichbar, das Gespräch ist gebührenfrei und der Anruf bleibt anonym. Ist jemand akut gefährdet, sollte die 112 angerufen werden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange sollte ich vor der Lampe sitzen?
Die gängige Angabe liegt bei etwa einer halben Stunde am Morgen. Das Institut empfiehlt etwa eine halbe bis 1 Stunde täglich. In den ausgewerteten Studien wurde eine halbe Stunde bis 2 Stunden täglich über 2 bis 8 Wochen angewendet. Maßgeblich bleibt die Gebrauchsanweisung Ihres Geräts.
Warum ist der Morgen der bessere Zeitpunkt?
Das Bundesamt für Strahlenschutz und gesundheitsinformation.de nennen den Morgen als empfohlenen Anwendungszeitpunkt. Manche Anbieter raten zu den Morgenstunden bis zum Mittag, damit der Schlaf nicht negativ beeinträchtigt wird.
Darf ich die Lampe ohne ärztliche Absprache benutzen?
Das Bundesamt für Strahlenschutz rät, optische Strahlung zu therapeutischen Zwecken generell nicht ohne Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt einzusetzen. Eine Diagnose ist auch deshalb sinnvoll, weil nur dann eine gesetzliche Krankenkasse Kosten übernimmt. Vorher abklären sollten Sie vor allem Augenkrankheiten und lichtempfindlich machende Medikamente.
Hilft die Lichttherapie auch ohne saisonales Muster?
gesundheitsinformation.de hält eine Lichttherapie auch bei nicht saisonalen Depressionen für möglich, und zwar dann, wenn die Stimmung vermutlich durch Mangel an Tageslicht beeinträchtigt wird. Der IGeL-Monitor hat Depressionen ohne saisonales Muster nicht untersucht.
Was kostet eine Tageslichtlampe, und wer zahlt?
Tageslichtlampen mit 10.000 Lux kosten im Fachhandel 30 bis 120 Euro, Kopflampen in Form von Brillen oder Lichtvisieren sind teurer. In der ärztlichen Praxis zählt die Lichttherapie als Selbstzahlerleistung, eine Sitzung kostet 6 bis 12 Euro. Nur wenige gesetzliche Krankenkassen übernehmen Kosten teilweise oder gänzlich, und zwar nur, wenn eine Ärztin oder ein Arzt die Diagnose gestellt und die Therapie verordnet hat.
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Depression. gesundheitsinformation.de.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Formen der Depression. gesundheitsinformation.de.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie wird eine Depression behandelt? gesundheitsinformation.de.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Licht- und Vitamintherapie bei Herbst-Winter-Depression. HTA kompakt, Version 1.1, HTA-Nummer HT18-04.
- Bundesamt für Strahlenschutz. Lichttherapie mit Tageslichtlampen.
- Medizinischer Dienst Bund. Lichttherapie zur Behandlung von Symptomen einer saisonalen depressiven Störung („Winterdepression“). IGeL-Monitor.
- Medizinischer Dienst Bund. Lichttherapie bei saisonaler depressiver Störung („Winterdepression“). Evidenz ausführlich.
- Nussbaumer-Streit B, Forneris CA, Morgan LC, et al. Light therapy for prevention of winter depression. Cochrane Database of Systematic Reviews.
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Depression in adults: treatment and management, Empfehlung 1.4.39.
- TelefonSeelsorge Deutschland. Telefon.



